20.11.2013

Ohr-Akupunktur, Handwerksübung, Hundespiele und ein 24-Euro-Sessel

Freiwillige durften beim Themenvormittag "Hoffnungsorte" eine Ohr-Akupunktur testen wie sie auch in der Suchthilfe des Diakonischen Werks angeboten wird
Freiwillige durften beim Themenvormittag "Hoffnungsorte" eine Ohr-Akupunktur testen wie sie auch in der Suchthilfe des Diakonischen Werks angeboten wird

Bei der Kreissynode gaben die 17 diakonischen Träger spannende Einblicke in ihre praktische Arbeit: Ein Rundgang am Themenvormittag unter dem Titel "Hoffnungsorte"

Als angstreduzierend und schmerzlindernd, als entspannend gelte die Ohr-Akupunktur, versichert Hiltrud Pfeil. Nein, wehtun dürfe sie auf keinen Fall. Doch die erste Akupunktur-Testerin verzieht schon bei der zweiten dünnen Nadel gequält das Gesicht. "Sie haben sicher eine Blockade", sagt die Expertin mitfühlend und beeilt sich, die Nadel wieder aus der Ohrmuschel der Freiwilligen zu entfernen. "Sind Sie zurzeit sehr belastet?"

 

Anleitungen verstehen und sie handwerklich umsetzen heißt es bei der "Keilübung" für Schüler
Anleitungen verstehen und sie handwerklich umsetzen heißt es bei der "Keilübung" für Schüler

Während Hiltrud Pfeil, Suchtberaterin des Diakonischen Werkes in Alsdorf, im Gemeindehaus an der Annastraße alle Interessierten mit der fernöstlichen Heilmethode vertraut macht, sitzt Pfarrerin Bärbel Büssow im Nebenraum an einer "Keilübung" für Achtklässler. "Biege die Öse passend nach Schraubendurchmesser und Drehrichtung der Schraube" heißt ihr Arbeitsauftrag. Ob Schüler die gelesene Anweisung verstehen und das handwerkliche Geschick mitbringen, um die Aufgabe zu erfüllen, können Ausbildungsleiter der low-tec, gemeinnützige Beschäftigungs- und Qualifizierungs mbH, hiermit testen. "Ich hab's gleich geschafft", lacht Pfarrerin Büssow. Der jetzige Beruf liege ihr aber mehr.

Im Bogenraum des Hauses der Evangelischen Kirche lag der Hoffnungsort "Pflege und Gesundheit"
Im Bogenraum des Hauses der Evangelischen Kirche lag der Hoffnungsort "Pflege und Gesundheit"

Erstmalig öffentliche Präsentation mit allen Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft

Insgesamt 17 evangelische Einrichtungen aus dem Kirchenkreis Aachen, die zur "Arbeitsgemeinschaft Diakonie" gehören, stellten sich am Samstagvormittag bei der Kreissynode im Haus der Evangelischen Kirche vor. Es war das erste Mal, dass alle Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft sich zu einer solchen umfassenden Präsentation trafen. Bei den mehr als 100 Delegierten aus den Kirchengemeinden und kreiskirchlichen Einrichtungen kam das Angebot hervorragend an. Zweieinhalb Stunden lang konnten Sie sich, ausgestattet mit Raumplan in Form einer Landkarte und Programmablauf, zu den "Hoffnungsorten" aufmachen, die Menschen in schwierigen Lebenssituationen im Kirchenkreis eine Anlaufstelle bieten. Angesichts der vielen angeregten Gespräche, die sich dabei entwickelten und der neuen Kontakte, die dabei geknüpft wurden, verging die Zeit wie im Fluge.

Christa Lardinoix und ihr Therapiehund Findus zeigten Spiele, die zum Beispiel die Aufmerksamkeit, Kommunikation und Geschicklichkeit von Demenzpatienten fördern
Christa Lardinoix und ihr Therapiehund Findus zeigten Spiele, die zum Beispiel die Aufmerksamkeit, Kommunikation und Geschicklichkeit von Demenzpatienten fördern

Gelungene Demonstration der praktischen Arbeit

Als besonders gelungen erwies es sich, dass viele Einrichtungen nicht nur mit Flyern oder Plakaten über ihre tägliche Arbeit informierten, sondern auch praktische Beispiele mitgebracht hatten. So stießen zum Beispiel die günstig selbst herzustellenden "Hartz-IV-Möbel" der WABe e.V. auf großes Interesse. Der "Berliner Hocker", der sich auch zum Regal stapeln lässt, oder der 24-Euro-Sessel stehen den Produkten eines schwedischen Möbelhauses nicht viel nach, so schien es. Viele Besucher wollten auch sehen, welche therapeutischen Spiele für Demenz-Patienten Christa Lardinoix im Tagespflegehaus der Diakonie mit ihrem Hund "Findus" den Gästen anbietet. Sozialarbeiterin Julia Kolberg vom Frauenhaus Alsdorf hatte einige der Begrüßungspakete mitgebracht, die in den Zimmern für Frauen bereitstehen, die schnell von zu Hause fliehen mussten und nicht einmal das Nötigste bei sich haben: Eine Zahnbürste, ein Fläschchen Duschgel, ein Tütchen Instant-Kaffee, ein paar Gummibärchen und ein schöner Aufsteller mit einem positiv stimmenden Sinnspruch sind in den kleinen Kartons enthalten.

Pfarrer Martin Obrikat vom Vorstand der Stiftung für Kirche und Diakonie im Kirchenkreis Aachen
Pfarrer Martin Obrikat vom Vorstand der Stiftung für Kirche und Diakonie im Kirchenkreis Aachen

"Bestimmt kannte keiner schon alles"

"Dass wir einander haben wahrnehmen können und sehen, welche lebendige und fruchtbringende Arbeit die vielen verschiedenen diakonischen Einrichtungen leisten, das ist sehr wertvoll", resümierte zum Schluss des Themen-Vormittags Pfarrer Martin Obrikat, Vorstand der Stiftung Kirche und Diakonie. "Viele von uns kannten sicher auch vorher schon das eine oder andere Angebot, aber ich bin mir sicher, keiner wusste schon alles!" In seinem Vortrag sagte Obrikat weiter: "Es ist wichtig, dass wir als Kirche diese konkreten Orte haben, Orte mit Anschrift, Telefonnummer und Menschen vor Ort, die dafür stehen. So können wir in belastenden Situationen Hoffnung geben und als Kirche auch in Kontakt kommen mit Menschen, die wir mit unseren kirchlichen Angeboten sonst nicht erreichen."

Weitere Eindrücke vom Themen-Vormittag "Hoffnungsorte":

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Losung für den 27.06.2016:
Liebet den HERRN, alle seine Heiligen!
Psalm 31,24
Er ist nur einer, und ist kein anderer außer ihm; und ihn lieben von ganzem Herzen, von ganzem Gemüt und von allen Kräften, und seinen Nächsten lieben wie sich selbst, das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer.
Markus 12,32-33