01.01.1970

Strategien gegen Aggressionen - Lesung mit Autorin Mona Oellers

Rund 50 Zuhörer interessierten sich für die Autorenlesung. (Alle Fotos: Krüsmann)

Gemeinsam mit der Ökumenischen Initiative „Netzanschluss“ veranstaltete die Evangelische Familienbildungsstätte/Zentrum für Familien jetzt eine interessante Kooperationsveranstaltung. Bei einer Lesung mit der bekannten Autorin Mona Oellers ging es darum, warum Kinder immer aggressiver werden und, was wir dagegen tun können.

Rund 50 Eltern, Pädagogen und viele weitere Interessierte verfolgten im Gemeindezentrum St. Philipp Neri auf Gut Kullen den Vortrag von Oellers über ihr aktuelles Buch „Voll aggro!“. Petra Weidemann-Böker, Pädagogische Mitarbeiterin der Evangelischen Familienbildungsstätte/Zentrum für Familien, und Ulrike Overs von Netzanschluss begrüßten die Gäste.

„Zum Thema Gewalt bin ich rein zufällig gekommen. Das war vor etwa 15 Jahren. Damals arbeitete ich in einem Freizeitzentrum für Kinder- und Jugendliche. Ich war Berufseinsteigerin und meistens die einzige Erwachsene dort, entsprechend oft kam ich an meine Grenzen. Dann bekam ich die Gelegenheit, eine Ausbildung zur Anti-Aggressivitäts-Trainerin zu besuchen“, erzählt Oellers.
In dem Kurs wurde sie dazu ausgebildet, Menschen mit ihrem Fehlverhalten zu konfrontieren und zu einem sozial verträglichen Umgang miteinander zu verhelfen – für ihre Arbeit eine große Unterstützung.

Schon bei Kindern ansetzen

Remmi-Demmi heißt das erfolgreiche Kinderbuch von Mona Oellers.

„Je mehr ich mich mit dem Thema Aggression und alternativen Verhaltensweisen zur Gewalt befasste, desto begeisterter war ich. Plötzlich hatte ich viel mehr Möglichkeiten, den Jugendlichen und Kindern bei Grenzverletzungen zu begegnen. Das war großartig! Ich suchte immer neue Herausforderungen, arbeitete mit jugendlichen Gewalttätern und trainierte ihre Bewährungshelfer“, erzählt Oellers.
Aber sie fand heraus, dass man früher ansetzen muss. „Ein Training dieser Art ist effektiver, wenn jemand noch keine längere kriminelle Karriere hinter sich hat. Daraufhin entwickelte ich cooldown, ein Konzept, in dem ich Elemente des Anti-Gewalt-Trainings mit Ritualen und Symbolen kombiniere, die den Transfer in den Alltag erleichtern“, erklärt Oellers. Sie begann mit Schulen zu arbeiten, mit Lehrern, Eltern und Schülern, die auf die eine oder andere Weise Probleme mit Aggression hatten, später auch mit Kindergartenkindern und Erziehern. „Ich zeigte also Kindern, die mit ihren Wutausbrüchen ihre Lehrer, Eltern und Erzieher zur Verzweiflung brachten, wie sie ihre Wut loswerden konnten, ohne sie unterdrücken zu müssen und vor allem, ohne dabei jemanden zu verletzen oder einzuschränken. Und ich zeigte Eltern, Pädagogen und Erziehern, wie sie ihrerseits mit diesen Kindern umgehen konnten“, erzählt Oellers, die bis diese Arbeit sehr gerne tut. Das merkt man ihr an. Auch das Publikum auf Gut Kullen ist schnell gefesselt von ihren lebendigen Schilderungen. „Mich fasziniert Oellers humorvolle, liebevolle, wertschätzende und sehr klare Art sowie ihre Professionalität“, betont Ulrike Overs von Netzanschluss. Bereits ihr Kinderbuch „Remmi-Demmi – Gefühle in der Besenkammer“ hatte Oellers mit großem Erfolg bei Netzanschluss vorgestellt.

Neues Buch „Voll aggro!“

Mona Oellers mit Wutdrache und kleiner Maus

In ihrem Buch „Voll aggro!“ beschreibt sie zum Beispiel die Wutausbrüche eines achtjährigen Kindes im Eiscafé, das seinen Großvater verbal schwer attackiert, weil ihm sein Eisbecher nicht schmeckt. „Seit ein paar Jahren bemerke ich eine Veränderung in meiner Tätigkeit. Die Jugendlichen und auch die Kinder, mit denen ich arbeite, sind weniger kooperativ, sie brauchen immer länger, bis sie einsehen, was sie anderen antun, wenn sie bedrohen, erniedrigen und verletzen. Ich begann mich zu fragen, woran das liegt und, was man dagegen tun könnte. Als dann die Literaturagentin Marion Appelt auf mich zukam und mich bat, meine Einschätzung über aggressive Jugendliche aufzuschreiben, sagte ich ohne Zögern zu. So entstand dieses Buch“, erklärt Oellers.
Mit prägnanten Beispielen und für jeden verständlich erklärt sie, worauf es ankommt. In einem Streit etwa kann man sich verhalten wie ein „Wutdrache“ oder wie eine „kleine Maus“. Wer aber schon als wütender Drache in einen Konflikt hineingeht, kann keine zufriedene Lösung erwarten.

Weitere Veranstaltungen in Aachen

Mona Oellers (Mitte) im Gespräch mit den Organisatorinnen.

Mona Oellers, geboren 1977, leitete als Heim- und Jugenderzieherin sechs Jahre lang ein Kinder- und Jugendfreizeitzentrum. Sie hat viele Jahre mit straffälligen Jugendlichen gearbeitet. Parallel dazu ließ sie sich zur Anti-Aggressivitäts-Trainerin ausbilden. Seit 2001 arbeitet sie selbstständig als Anti-Aggressivitäts-Trainerin und cooldown-Trainerin. Seit 2004 ist sie außerdem freie Referentin und Coach sowohl im pädagogischen Bereich wie auch in der Zusammenarbeit mit diversen Firmen. Seit 2013 hat sie einen Lehrauftrag an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen. Mona Oellers lebt mit ihrer Tochter in Aachen.

Am Mittwoch, 5. November, gibt es von 16.30 bis 18.30 Uhr im Gemeindezentrum St. Philipp Neri auf Gut Kullen (Philipp-Nero-Weg 7, 52074 Aachen) einen Kreativen Eltern-Kind-Nachmittag zum Thema „Wut“. Mona Oellers unterhält sich mit den Teilnehmern über Strategien, seinen aufgestauten Ärger abzulassen. Das ist grundsätzlich günstiger, als ihn in sich hineinzufressen. Dem Gefühl Wut Raum zu geben, ohne sich selbst und anderen zu schaden, das geht mit dem „Wut Notfall Koffer“. Ein Wiederholungstermin findet am Mittwoch, 27. Mai 2015, von 16 bis 18 Uhr in der Evangelischen Familienbildungsstätte/Zentrum für Familien (Martin-Luther-Straße 16, 52062 Aachen) statt. Die Kosten betragen jeweils fünf Euro pro Familie.

Nina Krüsmann

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Losung für den 30.05.2016:
Gott sprach zu Mose: Ich werde sein, der ich sein werde.
2.Mose 3,14
Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.
Matthäus 28,20