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19.04.2011

Kinderarbeit für Schokohasen


Das entwicklungspolitische Institut Südwind und die Steyler Missionare prangern katastrophale Arbeitsbedingungen auf afrikanischen Kakaoplantagen an. Allein an der Elfenbeinküste arbeiteten 820.000 Kinder in der Kakaobranche, 260.000 von ihnen so hart, dass es gegen UN-Konventionen verstoße, berichten die beiden Organisationen am Dienstag in Siegburg bei Bonn. Dies bedeute, dass auch für die hierzulande konsumierten Schokoladenprodukte, derzeit vor allem Schokohasen und -eier, Kinder bis zum Umfallen schuften müssten.

Der Grund für die Ausbeutung von Kindern sei die Einkommenssituation der Bauern, erklärte Friedel Hütz-Adams von Südwind, der sich seit Jahren mit den sozialen Problemen in Kakaoanbaugebieten beschäftigt. «Für viele von ihnen ist das Anheuern von Aushilfen während der Erntezeit schlichtweg nicht finanzierbar.» Sowohl die arbeitenden Kinder als auch die Bauern lebten in vollständiger Abhängigkeit von internationalen Kakaopreisen.

Während die weltweite Schokoladenindustrie jährlich einen Umsatz von 70 Milliarden Euro mache, erhielten die Bauern von den Ankäufern der Kakaobohnen im Schnitt lediglich 75 Cent pro Kilo, Grundlage für etwa 40 Tafeln Schokolade, erläutert Südwind. Preisgarantien gebe es keine. Hinzu kämen korrupte Beamte und Wegelagerer, die ihren «ganz persönlichen Zoll» erhöben. Die Bauern könnten daher nur an der Arbeitskraft sparen.

Viele Bauern seien gezwungen, ihre eigenen Kinder bei der Ernte einzusetzen, hieß es. Ganz unten in der Hierarchie stünden jedoch fremde Kinder aus noch ärmeren Ländern wie Mali, Burkina Faso, Togo oder Benin. Sie würden von Menschenhändlern auf die Plantagen der Elfenbeinküste verkauft und dort wie Sklaven gehalten.Südwind-Studien verdeutlichten, dass die Kinderarbeit bei internationalen Schokoladenherstellen wie Nestlé, Mars oder Ferrero bekannt sei, hieß es. Vor zehn Jahren unterzeichneten demnach die Verbände der Kakao- und Schokoladenindustrie eine freiwillige Vereinbarung, das sogenannte Harkin-Engel-Protokoll, um Zwangsarbeit, den Umgang mit giftigen Substanzen sowie das Tragen schwerer Lasten für Kinder zu beenden.

Doch die Wirklichkeit sehe anders aus, betonten Südwind und der Journalist Hardt. Was den Menschen helfe, seien höhere und langfristig stabile Preise für die Kakaobohnen, mahnten sie und forderten mehr Zertifizierer und einen Ausbau des fairen Handels mit garantierten Mindestpreisen und Prämien.

(epd-West fri es; Quelle: ekir.de)

Schokoladenkampagne der Kirchenkreise Aachen und Jülich und des Bistums Aachen

Internet: www.suedwind-institut.de  www.stadt-gottes.de