>> / Arbeitsfelder / Seelsorge / ... am Telefon / Selbsttötung ist leider alltäglich – und nicht die Ausnahme


Selbsttötung ist leider alltäglich – und nicht die Ausnahme

Selbsttötungen sind nicht die Ausnahme, wie jetzt der Tod von Robert Enke, sondern viele Menschen sind das ganze Jahr und lebenslänglich von Suizid betroffen. Die TelefonSeelsorge Aachen hat den Tod von Robert Enke mit Betroffenheit zur Kenntnis genommen. Ihr Mitgefühl gilt der Familie und dem betroffenen Lokomotivführer.

Der Leiter der TelefonSeelsorge Aachen-Eifel, Pfarrer Frank Ertel, erklärte: „Bei der TelefonSeelsorge Aachen ruft jeden 3. Tag ein Mensch an, der ernsthafte suizidale Absichten hat. Insofern sind Selbsttötungen nicht die Ausnahme, sondern leider alltäglich. Selbsttötungen geschehen regelmäßig immer wieder. Das besondere am Tod von Robert Enke ist, dass dieser Tod das Thema Suizid in das Licht der Öffentlichkeit rückt. Denn jede Woche sterben etwa zehn Menschen auf deutschen Schienen. In Deutschland sterben pro Jahr insgesamt rund 10.000 Personen durch Selbsttötung. Es kommt also zu mehr Todesfällen durch Selbsttötung als durch Verkehrsunfälle, Verbrechen und AIDS zusammen! Und die Zahl der Suizidversuche ist zehnmal höher. Jeder 6. Todesfall bei Männern in der Altersgruppe zwischen 15 und 35 Jahren – also genau in der Altersgruppe, in der auch Robert Enke war - ist auf Suizid zurückzuführen.“ Wenn der Tod von Robert Enke eine Sinn haben soll, dann den, dass in unserer Leistungsgesellschaft offen und ehrlich über das Thema psychische Krisen, Depression und Suizid gesprochen werden muss“, erläutert Ertel, der sich intensiv mit der Problematik befasst hat.   

„Im Mittelpunkt der Öffentlichkeit steht im Moment der Verstorbene. Für die Notfallseelsorge stehen aber genauso die Angehörigen  wie auch die betroffenen Lokführer im Mittelpunkt. Die Lokomotivführer leiden extrem unter den Selbsttötungen auf den Gleisen, bis hin zur absoluten und dauernden Berufsunfähigkeit,“ weiß der Pfarrer und Notfallseelsorger.

Die TelefonSeelsorge Aachen ist für Menschen, die an Suizid denken und für Ihre betroffenen Angehörigen mit ihren 90 ehrenamtlichen Mitarbeitern jeden Tag rund um die Uhr unter der Nummer 0800 - 111 0 111 oder 0800 - 111 0 222, kostenfrei und anonym erreichbar. Die TelefonSeelsorge schult Ihre ehrenamtlichen Mitarbeiter speziell für diese Gespräche und bildet sie regelmäßig fort.

Pfarrer Frank Ertel erläuterte: „In unserem Jahrhundert spielt die Krankheit der Seele eine besondere Rolle, wie es auch die WHO festgestellt hat. Doch leider ist Selbsttötung in der Gesellschaft noch immer ein Tabu-Thema.“ Das Bistum Aachen und der Kirchenkreis Aachen sehen es als ihre Aufgabe, Menschen in dieser Situation nicht alleine zu lassen.

Der Leiter der Notfallseelsorge, Diakon Rolf Berad, erklärt: Die Betreuung der Angehörigen ist immer wieder eine schwere Aufgabe. Aber ebenso werden die unschuldig betroffenen Lokomotivführer betreut.“ 30 Notfallseelsorger sind im Zusammenhang mit Einsätzen von Polizei,  Feuerwehr und Rettungsdiensten ebenfalls das ganze Jahr unterwegs, um Menschen in solchen Situationen zu  betreuen.

Pfarrer Frank Ertel, 0171-4083278 oder frank.ertel@ekir.de

Diakon Rolf Berard, 0171-4244076 oder rolf.berard@notfallseelsorge-aachen.de


login impressum Letzte Änderung am: 11.11.2009 15:04     Verantwortlich: schlegel-krakau drucken