Tief in Afrika

Kinder im Dorf Bugamba
Kinder im Dorf Bugamba

Das Kirchenkreis-Projekt 2012: die Gesundheitsstation Bugamba in Tansania

Um ein Kirchenkreis-Projekt zu besuchen und sich vor Ort zu informieren, fuhr eine Gruppe des Kirchenkreises Aachen im Sommer nach Tansania. Von der Reise berichteten Vertreter der Gruppe kürzlich in einer Sitzung dem Kreissynodalvorstand. Rolf Gündel schildert Situation und Ziele des Projekts und seine Eindrücke von der Reise:

Die Verhaltensforscherin Jane Goodall war von 1960 an im Gombe Stream National Park bei Kigoma tätig und gründete 1977 ihr Institut, das sich für Naturschutz und nachhaltige Entwicklung in Afrika einsetzt
Die Verhaltensforscherin Jane Goodall war von 1960 an im Gombe Stream National Park bei Kigoma tätig und gründete 1977 ihr Institut, das sich für Naturschutz und nachhaltige Entwicklung in Afrika einsetzt

Die Medizinische Missionshilfe betreibt in der Region Gesundheitsstationen

Da es in Bugamba Trockenzeit war, war es im Sommer die richtige Jahreszeit, um dort Land und Leute kennenzulernen. Als Nichtregierungsorganisation war die Medizinische Missionshilfe (MMH, dort MMS genannt) hilfreich, denn diese betreibt auch die Gesundheitsstationen der Region. Als kirchlicher Türöffner diente die anglikanische Diözese von Western-Tanganjika mit Sitz des Bischofs in Kasulu. In der Kreisstadt Kigoma mit einem Hafen am Tanganjika-See und den Hauptbahnhof aus der deutschen Kolonialzeit, welcher übrigens unter Denkmalschutz steht, ist auch die Jane-Godall Organisation tätig, vielen bekannt von ihrem Schimpansen-Schutzprogramm. Die Organisation propagiert heute eine ganzheitliche Vernetzung von Mensch, Tier und Natur und schult in Kigoma Multiplikatoren.

Die neue Gesundheitsstation Bugamba, an die bald noch einfache Unterbringungsmöglichkeiten für die Angehörigen der Kranken angebaut werden sollen, da in Tansania Familienmitglieder stationäre Patienten versorgen

Aus bis zu 20 Kilometern Entfernung kommen die Kranken zu Fuß nach Bugamba

Das Dorf Bugamba ist von der Kreisstadt aus eigentlich nur mit dem Boot über den See zu erreichen. Unser Boot fuhr zweieinhalb bis drei Stunden eine Strecke. Es ist im Besitz der MMS und eines der schnelleren Boote am Ort. Die Gesundheitsstation, die unser Projekt unterstützt, liegt direkt am See, während das Dorf auf dem Berge liegt. Es ist nur über Trampelpfade zu erreichen.

Die Station ist ohne Arzt und versorgt die Bevölkerung in einem Radius von etwa 20 Kilometern medizinisch mit einfachen Mitteln. Aids, Malaria und Magen-Darm-Infektionen machen den Menschen dort am meisten zu schaffen. Die Bevölkerung kommt zur Gesundheitsstation, um sich behandeln zu lassen und hygienische Grundregeln zu lernen. Aber, wie soll ein Patiert ein Medikament regelmäßig nach jeweils vier Stunden einnehmen, wenn der Mensch keine Uhr hat? Wie medikamentiert man richtig? Gilt: Viel hilft viel, oder was sonst?

Ein Arzt erläutert der Besuchergruppe, welche Medikamente in der Gesundheitsstation vorrätig sind
Ein Arzt erläutert der Besuchergruppe, welche Medikamente in der Gesundheitsstation vorrätig sind

Altes Gebäude von Termiten zerfressen

Durch die Gesundheitsstationen setzen Christen hier in Aachen und dort in Tansania ein Zeichen der Hoffnung und bringen Hilfe in einem entlegenen Teil der Welt. Die Teilnehmer unserer Reise wurden nach der Rückkehr gefragt: warum gerade dort? Nun - weil die Station dort schon lange besteht und funktioniert. Früher lag sie oben im Dorf Bugamba, aber das Gebäude wurde von Termiten zerfressen. Aufgrund der leichteren Erreichbarkeit für alle Kranken im Einzugsgebiet wurde sie jüngst am See neu angelegt, AUCH mit unserem Geld. Desweiteren, weil es persönliche Verbindungen gab, und letztlich weil dort ein kirchlicher Hintergrund vorhanden ist mit einem entschiedenen Ansatz, mit einer Infrastruktur und einer Verlässlichkeit.

Besucher aus Europa sind in Bugamba eine Attraktion
Besucher aus Europa sind in Bugamba eine Attraktion

Über Schalke 04 und BVB wissen die Dorfkinder auch in Tansania Bescheid

Damit sich Hilfe nicht verzettelt, wird vom Kirchenkreis die Gesundheitsstation unterstützt mit Kollekten und Spenden und das im Abstand von einigen Jahren. Bugamba in Tansania ist übrigens eins der am längsten andauernden Projekte unter denen, die der Kirchenkreis nach fortwährender Überprüfung unterstützt. Die Kreissynode legt Jahr für Jahr ein Projekt als Jahresprojekt fest, welches unterstützt wird: 2012 ist es Bugamba.

Mich selbst haben die Kinder überzeugt, die mit uns im Dorf unterwegs waren, die meisten Erwachsenen arbeiteten. Die Freundlichkeit der schwarzen Menschen war fühlbar. Wir waren zwar eine Attraktion, aber wir waren nicht „der große Onkel aus Amerika“.

Im Dorf selbst gibt es übrigens auch einen Fernsehapparat über Satellit, und dort wusste man von Bayern München, Schalke 04 und Borussia Dortmund. Bis zu Alemannia Aachen hat das Fußballwissen aber doch nicht gereicht.

Die Reisegruppe aus dem Kirchenkreis Aachen mit tansanischen Begleitern auf der Rückseite der neuen Gesundheitsstation
Die Reisegruppe aus dem Kirchenkreis Aachen mit tansanischen Begleitern auf der Rückseite der neuen Gesundheitsstation

Mehr Informationen zur Gesundheitsstation im Netz

Wer jetzt Appetit auf Afrika bzw. Tansania oder Bugamba bekommen hat, kann Weiteres erfahren über die Region im Web unter:

www.mmh-mms.com

oder www.neukirchener-mission.de

(dort unter: -Arbeitsgebiete-Afrika-Tansania-Kasulu, dort Über die Anglikanische Diözese).

 

(Text: Rolf Gündel; Bilder: Gündel, C. Sandner)

Rolf Gündel

Tel.: 0241 / 166730
E-Mail