Mit dem besten Ergebnis und einer absoluten Mehrheit sicherte sich die 51jährige Susanne Degenhardt Anfang November bei der Kreissynode in Stolberg gleich im ersten Wahlgang das Mandat gegen vier Mitbewerber. Ihr Engagement sieht sie als Möglichkeit, „mit den Fähigkeiten, die mir gegeben sind, unsere Gesellschaft mit zu gestalten und Verantwortung zu übernehmen über die Gemeindegrenzen hinaus.“
Im Hauptberuf ist Susanne Degenhardt Oberstudienrätin am Heilig-Geist-Gymnasium in Würselen- Broichweiden. Hier unterrichtet sie seit knapp 20 Jahren evangelische Religion und Philosophie. „Da bin ich für alles Evangelische zuständig“, schildert Degenhardt die besondere Situation an der katholischen Schule. „Aber es ist ein gutes Miteinander, die Ökumene vor Ort funktioniert.“
Über die Schule kam auch der Kontakt zur Kirchengemeinde Hoengen-Broichweiden. PfarrerWilfried Glabach berief sie in den Bauausschuss der Gemeinde, als der Bau des neuen Gemeindezentrums in Broichweiden anstand.
Familiär ist Susanne Degenhardt das, was man „vorbelastet“ nennt. Schon die Eltern waren aktiv in der Kirche. Ihr Vater amtierte mehrere Jahre als Presbyter und Kirchmeister in der Nachbar-Kirchengemeinde Alsdorf. Auch die Mutter engagierte sich in Kirche und Politik, war für die Christdemokraten auch Stadt- und Kreisrätin - und hinterließ bleibenden Eindruck, so dass die Stadt die Resi-Quint-Straße nach ihr benannte.
Tochter Susanne machte mehrere Jahre im Kindergottesdienst-Team der Paul-Gerhardt-Kirche in Ofden mit, dann in der Jugendarbeit des Diakonischen Werkes Alsdorf. Zahlreiche Jugendfreizeiten an der Nordsee oder im Gebirge sind ihr aus dieser Zeit in Erinnerung. Seit 2005 ist sie Presbyterin in der Kirchengemeinde Hoengen-Broichweiden, derzeit als stellvertretende Vorsitzende.
Der Diakonie blieb Degenhardt treu, allerdings in anderen Funktionen: Sie sitzt seit 2000 im Aufsichtsrat des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Aachen, ebenso seit Anfang an im Kuratorium der Stiftung für Diakonie und Kirche. „Das Engagement liegt mir am Herzen, weil Kirche trotz finanzieller Umbrüche ein Ort bleiben muss, wo Menschen in den unterschiedlichsten Not- und Lebenssituationen Hilfsangebote finden.“
Im Juni 2008 wurde sie zudem als Prädikantin ordiniert, kann nun eigenständig „und mit großer Freude“ Gottesdienste gestalten.“ Dass auch Laien in der Evangelischen Kirche predigen dürfen, hält Degenhardt für wichtig: „Das tut unserer Kirche gut, weil diese Menschen durch ihre Berufs- und Lebenswelt bei der Verkündigung andere Blickwinkel haben.“ Die Frau auf der Kanzel hat in ihrem kirchlichen Engagement gute Erfahrungen gemacht. Ich kann nur andere Frauen ermutigen, sich auch Leitungsaufgaben zuzutrauen. „Wir sind noch nicht in allen Bereichen ausreichend vertreten.“
Freimütig bekennt Degenhardt, dass wenig Zeit für Hobbys im eigentlichen Sinne bleibt. „Meine Tätigkeiten in der Gemeinde und im Kirchenkreis sind meine Hobbys.“ Großen Rückhalt findet sie in der Familie: Die vier erwachsenen Kinder und drei Enkelkinder bekocht sie bei Gelegenheit mit Freude, ebenso wie Gäste. Ansonsten verreist das Ehepaar Degenhardt gerne. „Wir lieben die Nordseeinseln und die griechischen Inseln. Daneben stehen Besuche im Theater oder im Kabarett auf dem Programm, wenn die Zeit es zulässt. Denn auch der Ehemann ist ehrenamtlich stark engagiert.
Im Januar 2009 nahm Susanne Degenhardt das erste Mal an einer Landessynode teil. Hier schildert sie ihre Erfahrungen:mp3-download