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„Wahre Bildung oder Bildung als Ware?“

Professor Krautz hielt das Hauptreferat der Synode, dessen Inhalte anschließend lebhaft diskutiert wurden.
Professor Krautz hielt das Hauptreferat der Synode, dessen Inhalte anschließend lebhaft diskutiert wurden.

Stolberg/Kirchenkreis Aachen (ema)

Das christliche Menschenbild verlangt von Bildung mehr als nur die technokratische Vermittlung von Kompetenzen. Bildung schließe eine Wertehaltung ein und müsse „zweckfrei aber nicht zwecklos“  vermittelt werden, so der Tenor der Beiträge, als es bei der diesjährigen Herbstsynode des Kirchenkreises in Stolberg um das Schwerpunktthema „Bildung“ ging. Professor Dr. Jochen Krautz von der Alanus-Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn lieferte  mit seinem Referat unter dem Titel „Wahre Bildung oder Bildung als Ware – Schule unter dem Diktat ökonomischen Denkens“ den Einstiegsimpuls. Kautz argumentierte, Bildung werde immer mehr zur Ware, die Weltwirtschaft und ihre Lobby sei lediglich an Menschen interessiert, die funktionale Kompetenz erlernen sollten. Damit sei es aber praktisch möglich, ebenso Babynahrung wie Bomben zu produzieren. Bildung im klassischen Sinn hingegen bedürfe der Beziehung und sei ohne eine vermittelte Werthaltung nicht vorstellbar. 

Auf den Gängen des Gemeindezentrums Frankental konnten sich die mehr als 100 Vertreterinnen und Vertreter aus den 15 evangelischen Gemeinden dazu bei einem „Markt der Möglichkeiten“ anhand zahlreicher Infostände ein Bild zum Alltag im derzeitigen Bildungssystem machen. Zu sehen gab es etwa den Stapel zu korrigierender Schülerarbeiten, den ein Lehrer zu bewältigen hat, Förderangebote für Benachteiligte oder Einblicke in die Abiturprüfungen im Fach Religion.



Superintendent Bruckhoff bei seinem Jahresbericht
Superintendent Bruckhoff bei seinem Jahresbericht

Vor dem Parlament der 84.000 evangelischen Christen zwischen Blankenheim in der Eifel und Baesweiler im Nordkreishatte zuvor Superintendent Hans-Peter Bruckhoff seinen Bericht gegeben. Einen Schwerpunkt setzte er beim Thema „neoliberale Globalisierung“. Er bezog sich dabei auf Thesen von Prof. Rene Krüger. Dieser hatte in Aachen im Rahmen einer Veranstaltung der Evangelischen Stadtakademie einen Vortrag unter dem Titel „Wirtschaft und Finanzen als Glaubensfrage“ gehalten und die These vertreten, dass der Neoliberalismus letztendlich das Geld vergötzt und sich als Ersatzreligion ausgibt. Darauf bezog sich auch Bruckhoff.  Längst gehörten auch bei uns immer mehr Menschen zu den Verlierern der wirtschaftlichen Globalisierung. „Nokia und Opel sind dafür zwei prominente Beispiele“, so Bruckhoff. Er vertrete die Auffassung, dass sich das Zusammenleben und die politische Kultur an der sozialen Frage entscheiden werde. Je mehr Menschen von der gesellschaftlichen Entwicklung „abgehängt“  würden, desto größer sei die Gefahr in die Extreme zu verfallen, erläuterte der Superintendent.

 




Neben dem Thema Bildung standen noch weitere Punkte auf der Tagesordnung: Die Synode des Kirchenkreises Aachen beauftragte den synodalen Jugendausschuss damit, ein regionales Modell für die Jugendarbeit zu entwickeln,. Es soll eine von hauptamtlich Mitarbeitenden professionell verantwortete und begleitete Jugendarbeit für alle Gemeinden des Kirchenkreises für die Zukunft sicherstellen. Der Vorsitzende des Jugendausschusses, Berufsschulpfarrer Jörg Schönemann hatte zuvor die Ergebnisse einer Umfrage im Kirchenkreis zum Stand der Jugendarbeit vorgetragen.

Für die nächsten zehn Jahre verlängerte die Synode auch den Finanzierungsvertrag für das Diakonische Werk.




Im Bereich Bildung fasste die Synode auch praktisch wirksame Beschlüsse: Am Berufskolleg Herzogenrath für Wirtschaft und Verwaltung wird eine halbe Angestelltenstelle ab Februar 2010 geschaffen, zusätzlich werden zwei Schulpfarrstellen geringfügig aufgestockt, eine  im Berufskolleg Eifel in Kall, die andere an der Berufskolleg „Käthe-Kollwitz-Schule“ in Aachen. In Alsdorf und in Herzogenrath wird außerdem der Religionsunterricht an Grundschulen ausgeweitet. Für die Kirchengemeinde Aachen beschloss die Synode außerdem - befristet auf zwei Jahre – die neue Einrichtung einer halbe Pfarrstelle, die der Entlastung des Vorsitzenden des Gesamtpresbyteriums dienen soll.

Die Kreissynode erklärte erneut das Gesundheits-und Dorfentwicklungsprojekt in Bugamba / Tansania zum entwicklungsbezogenen Projekt des Kirchenkreises für das Jahr 2010.Außerdem beauftragte die Synode die Landessynode , sich für eine Schöpfungstag einzusetzen. Mehr soll die Kirche auf allen Ebenen auch für die Rechte von Flüchtlingen unternehmen.


login impressum Letzte Änderung am: 23.11.2009 13:02     Verantwortlich: schlegel-krakau drucken