23.06.2014

"Glaube in Bewegung" bei Prozession im ökumenischen Dreieck Aachens

Die Prozession zog vom Aachener Dom zur evangelischen Annakirche, zur griechisch-orthodoxen Kirche Hagios Dimitrios und wieder zurück zum Dom.
Die Prozession zog vom Aachener Dom zur evangelischen Annakirche, zur griechisch-orthodoxen Kirche Hagios Dimitrios und wieder zurück zum Dom.

Präses Rekowski predigt bei ökumenischer Taufgedächtnisfeier mit drei Stationen - 1200 evangelische, katholische und griechisch-orthodoxe Christen gemeinsam auf dem Weg

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, hat am Sonntagabend in der Aachener Annakirche gepredigt. Die Predigt in der ältesten evangelischen Kirche Aachens war Teil eines ökumenischen Taufgedächtnisgottesdienstes mit drei Stationen, die in einer Prozession miteinander verbunden waren. Anfang und Ende des Weges und des Gottesdienstes lagen im Aachener Dom. Dritte Station des Weges war die griechisch-orthodoxe Kirche St. Michael/Hagios Dimitrios. Neben Präses Rekowski nahmen teil: Kurt Kardinal Koch, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff und Bischof Evmenios von Lefka sowie schätzungsweise 1200 weitere Gläubige. Die Prozession war ein Teil des Rahmenprogramms zur Aachener Heiligtumsfahrt, bei der seit Freitag neun Tage lang die im Aachener Dom aufbewahrten Reliquien ausgestellt werden.

In der Annakirche: Präses Rekowski, Bischof Evmenios von Lefka, Kardinal Koch und Bischof Mussinghoff.
In der Annakirche: Präses Rekowski, Bischof Evmenios von Lefka, Kardinal Koch und Bischof Mussinghoff.

Gefühlslage der Pilger zwischen Freude und Zweifel

In der Annakirche predigte Manfred Rekowski über den Weg der nachösterlichen Pilger, wie er im Matthäusevangelium (Kapitel 28) angedeutet wird: Maria von Magdala und die Frauen machen sich vom leeren Grab auf zu den Jüngern. Die Jünger wiederum gehen auf Geheiß Jesu nach Galiläa. „Glaube in Bewegung“ sei das Motto der Heiligtumsfahrt, sagte der Präses, und verwies auf die verschiedenen Motivationen und Gefühlslagen der biblischen Pilger zwischen Freude und Furcht, Anbetung und Zweifel.

Präses Rekowski predigt in der Annakirche
Präses Rekowski predigt in der Annakirche

Präses Rekowski fordert "Ökumene der Umkehr"

„Ich persönlich finde es sehr ermutigend“, sagte Rekowski, „dass Papst Franziskus in den Mittelpunkt seines Apostolischen Schreibens die Freude des Evangeliums stellt.“ Auch die Tauferinnerung sei eine Bewegung, ein Unterwegs-Sein zu Christus.

In der Ökumene sei seiner Meinung nach eine „Ökumene der Umkehr“ vonnöten. Sie bedeute aber nicht, bei der jeweils andern Kirche den Korrekturbedarf festzustellen, mahnte Präses Rekowski: „Es geht darum, dass wir selbst – der einzelne Christ/die einzelne Christin und ihre/seine Kirche – bereit werden zur Umkehr. Und das, liebe Schwestern und Brüder, geschieht dann, wenn wir auf die Worte Christi hören mit offenen Ohren und offenen Herzen.“

Präses Rekowski zeichnet Kardinal Koch bei der Tauferinnerung ein Wasserkreuzzeichen auf die Stirn
Präses Rekowski zeichnet Kardinal Koch bei der Tauferinnerung ein Wasserkreuzzeichen auf die Stirn

Tauferinnerung mit Wasserkreuzzeichen

Bei der letzten Station des Gottesdienstes in der griechisch-orthodoxen Kirche St. Michael/Hagios Dimitrios stand das eigentliche Taufgedächtnis im Mittelpunkt. Zur Erinnerung an die eigene Taufe zeichneten sich dabei die Mitfeiernden gegenseitig mit Wasser ein Kreuz auf die Stirn. Die Prozession endete schließlich wieder im Dom mit Fürbitten, dem Vaterunser und dem Segen.

Trotz ökumenischer Veranstaltungen teilen Protestanten nicht die Reliquienverehrung

Der ökumenische Taufgedächtnisgottesdienst fand in diesem Jahr nach 2000 und 2007 zum dritten Mal im Rahmen der Heiligtumsfahrt statt. Wie auch im Vorjahr begleitete der Heinrich-Schütz-Chor den Gottesdienst an allen drei Stationen mit seinem Gesang. "Ich fand, es war eine sehr schöne, feierliche Prozession, die ein starkes ökumenisches Zeichen gegeben hat", sagte anschließend Prädikant Gunnar Heuschkel, der mit anderen Vertretern des evangelischen Gemeindebereichs Aachen-Mitte an dem Gottesdienst teilgenommen hatte. Und Pfarrer Armin Drack von der Annakirche, derzeit auch Vorsitzender der ACK Aachen, fügte hinzu: "Es gab eine gute Beteiligung von allen drei Konfessionen in Vorbereitung, Durchführung und Feier. Mir hat gut gefallen, wie Bischof Mussinghoff den Dom mit seiner langen Geschichte als Zeichen der ungeteilten Christenheit bezeichnet hat." In Hinblick auf die noch bis zum 29. Juni andauernde Heiligtumsfahrt wies Drack darauf hin, dass es derzeit eine Reihe ökumenischer Veranstaltungen im Rahmenprogramm gebe, dass die Protestanten die Reliquienverehrung selbst aber nicht teilten. "Wir ehren unsere Mitchristen, die vor uns gelebt haben", so Drack, "aber wir verehren keine Dinge."

Weitere Eindrücke:

 
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Die Worte des HERRN sind lauter wie Silber, im Tiegel geschmolzen, geläutert siebenmal.
Psalm 12,7
Ihr scheint als Lichter in der Welt, dadurch dass ihr festhaltet am Wort des Lebens.
Philipper 2,15-16