08.08.2014

Wiedereröffnung mit neuem Namen: "Evangelische Stadtkirche Monschau"

Der Innenraum der Kirche vor der Sanierung und nachher
Die Evangelische Stadtkirche Monschau mit neuer Inschrift auf dem Turm

Festgottesdienst am Samstag, 23. August, 17 Uhr - Neue Rolle der Kirche in der Mitte der Stadt - Offener, heller Kirchraum wird viele Besucher anziehen

"Deus refugium nostrum": Der neue Schriftzug im großen Blausteinfeld auf der Frontseite des Kirchturms der Evangelischen Kirche fällt vielen Passanten in der Monschauer Altstadt auf den ersten Blick gar nicht auf. Und so soll es auch sein, sagt Pfarrer Jens-Peter Bentzin zufrieden. "Mit dem neuen Schriftzug haben wir ein Signal für die Transformation unserer Kirche nach der Sanierung gesetzt, gleichzeitig so zurückhaltend wie möglich, aber prägnant für alle die, die es verstehen." Denn nach insgesamt neunjähriger Sanierungszeit wird die Kirche als "Evangelische Stadtkirche Monschau" am Samstag, 23. August, wiedereröffnet.

Bei der Inschrift auf dem Turm - "Gott ist unsere Zuflucht" - handelt es sich um den Beginn des bekannten Psalms 46, nach dem Martin Luther einst das Reformationslied "Ein feste Burg ist unser Gott" schrieb. Und doch, so erklärt Pfarrer Bentzin, stehen die jetzt gewählten Worte gerade auch für die Öffnung der Kirche für die ganze Stadt und alle dort Anwesenden. Sie umfassen alle, die die Kirche betreten und lassen eine Vielfältigkeit der Bedeutung zu. "Unsere Kirche bleibt natürlich Gemeindekirche, aber sie wird eine neue Rolle in der Stadt spielen", erklärt Bentzin. "Am Eröffnungstag wird der Psalm 46 auch Predigtext im Festgottesdienst sein. Der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Aachen, der die Predigt hält, wird dann auf den Bedeutungswandel, den wir anstreben, eingehen."

Der Innenraum der Kirche vor der Sanierung und nachher
Der Innenraum der Kirche vor der Sanierung
und zwei Wochen vor der Wiedereröffnung.

Transparentere Glasscheiben und entfernte Barriere

Mehr noch als durch die neue Inschrift wird die neue Offenheit der Kirche durch die jetzt eingesetzten Glasscheiben und die Entfernung der Barriere im Eingangsbereich für die Besucher sichtbar. Denn die eigens in einer Glasmanufaktur für die Kirche angefertigten Scheiben, die der Anmutung des Originalglases von 1789 nahekommen, sind viel transparenter als das nach dem Krieg verwendete "Kathedralglas". "Jetzt kann man von außen wieder in die Kirche hineinsehen und das helle, strahlende Licht fällt wieder in den Kirchraum", sagt Pfarrer Bentzin. "Auch das heißt für uns: Unsere Kirche zeigt sich jetzt der Stadt, und von drinnen ist die Stadt sichtbar. Wir stehen in einer viel engeren Beziehung zu unserer Umwelt als früher."

"Dieser Blick wird einen Sog ausüben"

Gleichzeitig wurde bei der Sanierung die Glaswand, die hinter dem Windfang im Eingangsbereich den Zutritt zum Kirchraum verwehrte, entfernt. Wer auf der Rurstraße in der Monschauer Altstadt auf der anderen Seite der evangelischen Brücke vorbeigeht - und das ist so ziemlich jeder, der nach Monschau kommt - blickt in Zukunft durch die geöffnete Tür in den Kirchraum, bis hin zu Altar und Kanzel. "Dieser Blick wird einen ungeheuren Sog ausüben", ist sich Jens-Peter Bentzin sicher. "Schon jetzt geht jeder einmal über die Brücke. Dann werden die Menschen auch die Kirche betreten und diesen hellen Raum auf sich wirken lassen."

Der Blick zur Orgelempore vorher
Der Blick zur Orgelempore vorher
und nachher. Die Orgel ist derzeit eingelagert, weil sie bei der Sanierung der Kirche Ende der 1970er Jahre mit gesundheitsschädlichem Holzschutzmittel behandelt wurde.
und nachher. Die Orgel ist derzeit noch eingelagert.
Pfarrer Jens-Peter Bentzin
Pfarrer Jens-Peter Bentzin

Monschauer Kirche ein "Denkmal von nationaler Bedeutung"

Um die Kirche in Zukunft vielfältig nutzen zu können, unter anderem möglicherweise auch für Veranstaltungen wie Ausstellungen, Konzerte, Kunstprojekte oder Theateraufführungen, wird das Mittelgestühl nicht wieder in den Kirchraum eingebaut. Das Seitengestühl, wurde überarbeitet und befindet sich wieder an seinem ursprünglichen Platz. Dass aber beim Festgottesdienst am 23. August nicht jeder einen Sitzplatz finden werde, sei schon abzusehen, meint Pfarrer Bentzin. "Jeder, der die Wiedereröffnung miterleben möchte darf, kann und soll kommen, und das werden viele sein!", bekräftigt er.

Etwas ganz Besonderes wird die Wiedereröffnung auch sein, weil es heutzutage in Deutschland keine weitere erhaltene Kirche im Stil des Louis Seize gebe, so Bentzin. Dies ist einer der Faktoren, der die Kirche zu einem anerkannten "Denkmal von nationaler Bedeutung" macht. Welche Geschichten die Kirche erzählt und wie sich an ihr auch die große Weltgeschichte widerspiegelt, werden Besucher nach der Wiedereröffnung bald selbst sehen und hören können. Denn, so Bentzin, sicher wird es dann auch Führungen durch die Kirche geben, die dies alles erläutern.

Neues Abendlob am Mittwoch schon ab 20. August

Schon am Samstag, 16. August, wird die Kirchengemeinde nun in der Monschauer Kirche in einer "Geburtstagsandacht" ihre frisch sanierte Kirche feiern. Denn dies ist der eigentliche Eröffnungstag, an dem sie im Jahr 1789 in Betrieb genommen wurde. Ganz fertiggestellt wurde sie allerdings erst später, im Jahre 1810. Und so werden  auch zum offiziellen Eröffnungsgottesdienst am 23. August noch nicht alle Sanierungsarbeiten abgeschlossen sein, sondern voraussichtlich erst im Frühjahr 2015. Ab dem 23. August werden aber wieder alle normalen Gemeindegottesdienste in der Kirche stattfinden und zusätzlich auch ab dem 20. August schon ein neuer Gottesdienst am Mittwochabend, immer um 18.30 Uhr, der sich als Abendlob an den anglikanischen "Choral Evensong" anlehnt.

Was im Festgottesdienst am 23. August alles passiert, will Pfarrer Bentzin heute noch nicht verraten. Der Posaunenchor Roetgen wird spielen, und ein vereinter Chor aus den evangelischen Kirchenchören Monschau und Roetgen sowie dem katholischen Kirchenchor Monschau wird singen. "Viele Menschen aus der Gemeinde werden an dem Gottesdienst mitwirken und wir werden als Gemeinde unsere Kirche wieder in Besitz nehmen", sagt Pfarrer Bentzin. "Und alle sind herzlich eingeladen, dabei zu sein und den Festgottesdienst mit uns zu feiern."

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Sprüche 16,8
Niemand gehe zu weit und übervorteile seinen Bruder im Handel. Denn der Herr straft dies alles.
1.Thessalonicher 4,6