17.05.2015

Wenn die eine Kirche führt, und die andere fest im Griff hat...

Ulrike Behmenburg, Wolfram Behmenburg und Walter Kunz intonieren an der Flaschenorgel "Großer Gott, wir loben Dich".

... dann ist das Kölner Kirchenkabarett Klüngelbeutel zu Gast auf der Bühne. Seit 25 Jahren ist das Ensemble mit Walter Kunz, Ulrike und Wolfram Behmenburg kabarettistisch unterwegs, um mit "Szenen, Liedern und Satiren zur real-existierenden Kirche" die Absurditäten des Alltags zwischen Kanzel und Altar aufs Korn zu nehmen und humorvoll und manchmal auch bitterböse anzuprangern.

Derzeit tritt der Klüngelbeutel mit einem "Best of" aus zehn Programmen auf (und bereitet das elfte vor, das pünktlich zum großen Lutherjahr 2017 erscheinen wird). Dabei sorgte die gelungene Mischung aus Liedern, kurzen Szenen und nachdenkenswerten Appellen "Bestreikt das Sitzen - es ist wider die Natur des Menschen" für einen kurzweiligen Abend. Dabei bekam - wie zu Anfang versprochen - jeder sein Fett weg: ob Protestanten oder Katholiken, Orthodoxe oder Baptisten.

Mit sichtlicher Spielfreude und Spaß an verschiedenen Rollen, großer Bühnenpräsenz und einem überraschenden Liederrepertoire nahmen die drei Kabarettisten schnell das Publikum für sich ein und auch ältere Jahrgänge ließen sich darauf ein, mit rhythmischem Stampfen und Schnipsen den Grundbeat für den Lektorenrap zu geben. Bitterböse kam das Selbstgespräch des "Küstantors" in der Kneipenkirche daher, der als Minijobber alle Funktionen in der Gemeinde ausfüllen muss - und auch das nur befristet bis Ende Dezember. Ob "Verschlanken" und "Abnehmen" auch in der Kirche das Allheilmittel ist? "Gewogen und für zu leicht befunden" heißt es in der Bibel beim Propheten Daniel.

Evangelische und katholische Kirche tanzen in den siebten Himmel der Liebe.

Gelungener Abend

Im großen Finale, in dem sich katholische und evangelische Kirche zur Zwangsheirat aus ökonomischen Gründen entschließen, bekamen dann nochmal alle Seiten gehörig ihr Fett weg, bevor beide engumschlungen "in den siebten Himmel der Liebe" tanzten: "Fühlst Du Dich nicht unwohl dabei?" - "Nicht, solange ich führe!", ruft der Kardinal. "Und Du, was ist mir Dir?" - "Nein, so habe ich Dich wenigstens fest im Griff!", kontert die Pfarrerin.

Und so ging der unterhaltsame Abend zu Ende und die Besucher verabschiedeten das Ensemble mit langanhaltendem und kräftigem Applaus. Ungewöhnlich für einen Kabarettabend wurden die Zuschauer schon zu Beginn der Veranstaltung mit einem Glas Wein oder Saft begrüßt und in der Pause wurden zudem noch kleine Häppchen gereicht - so bot sich reichlich Gelegenheit, um über das Kabarettprogramm ins Gespräch zu kommen und einen entspannten Abend zu verleben. Für die reibungslose Organisation des Abends war die Presbyterin Margit Claussen verantwortlich, die schon einen weiteren Kirchenkabarettabend im nächsten Jahr plant, um dieses Angebot der evangelischen Kirche in Würselen fortzusetzen.

(Text und Fotos: Juliane Siekmann)

Weitere Impressionen des Abends

Wolfram Behmenburg philosophiert über das Sitzen.
Das Publikum gibt den Beat beim Lektorenrap.
Der "Küstantor", halb Küster, halb Kantor.
Anregende Gespräche in der Pause.
"Oh, leever Jott, jev uns Wasser" so singen die Baptisten...
Szenen einer Ehe.
Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Losung für den 17.12.2018:
Ich will in der Wüste Wasser und in der Einöde Ströme geben, zu tränken mein Volk, meine Auserwählten.
Jesaja 43,20
Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!
Johannes 7,37