20.03.2018

Dem Neuen eine Chance geben

Evangelische, orthodoxe und katholische Kirchenvertreter spendeten gemeinsam den Segen für den Ökumenischen Pilgerweg 2018. (Foto: Andrea Thomas)

Der 5. Ökumenische Pilgerweg für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung folgte den Spuren des Strukturwandels im Nordkreis

Am Ende des Tages stand „Neues in vielen Formen und Ausprägungen“. So fasste Andrea Kett, Mitarbeiterin des Bischöflichen Generalvikariats Aachen und Mitglied der Vorbereitungsgruppe, den kalten, aber inspirierenden Tag beim Abschluss des 5. Ökumenischen Pilgerweges für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung in der Abteikirche von Rolduc zusammen. Der Pilgerweg stand in diesem Jahr unter dem Leitgedanken „Neues will wachsen – Auf den Spuren des Strukturwandels“. Neues, das waren für die rund 100 Teilnehmer die Begegnungen mit neuen Orte und Menschen, Gedanken, Impulsen und Perspektiven sowie das Einlassen auf Veränderung und Wandel, mit der Erkenntnis, dass Neues nicht schlecht sein muss.

Andreas Schmeitz, Synodalbeauftragter des Kirchenkreises Aachen, hat die erste grenzüberschreitende Pilgerwanderung maßgeblich geplant.(Foto: Andrea Thomas)

Pilger wanderten zum ersten Mal über die Grenze

Neu war zum Beispiel auch, dass der Pilgerweg, der gemeinsam von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Aachen, den Evangelischen Kirchenkreisen Aachen und Jülich, dem Diözesanrat der Katholiken im Bistum Aachen und dem Bistum Aachen ausgerichtet wird, durch die Städteregion führte und dabei erstmals auch über die Grenze ins niederländische Kerkrade überschritt. Maßgeblich geplant hatte die Route, die von Alsdorf durch das Broichbachtal nach Herzogenrath und schließlich zur Abtei Rolduc ging, Andreas Schmeitz. „Die großen Routen rund um Aachen hatten wir alle schon, und da wir ja auch Wert auf die Möglichkeit einer klimaschonenderen Anreise der Teilnehmer legen, bot es sich an, sich an den Haltepunkten der Euregiobahn zu orientieren“, sagte Schmeitz. Daraus hätten sich sich dann Weg und Thema entwickelt. „Die Umbruchzeit und der Strukturwandel sind spannend, der Weg ist schön und auch, dass wir einmal grenzüberschreitend unterwegs sein können“, fasste er zusammen.

Rund hundert Christen pilgerten bei nass-kaltem Winterwetter von Alsdorf nach Kerkrade.(Foto: Andrea Thomas)

Vom Alsdorfer Annapark pilgerten die Christen nach Rolduc

Eine Mischung, die Pilger aller christlichen Konfessionen aus der Städteregion Aachen, den Kreisen Düren und Heinsberg bis nach Mönchengladbach, ansprach – trotz eher ungemütlichem, nasskaltem Spätwinterwetter. Im Alsdorfer Annapark, dem ehemaligen Gelände der Zeche Anna, im Schatten des mächtigen Fördergerüsts, waren sie am Vormittag gestartet, versehen mit dem Segen von Superintendent Hans-Peter Bruckhoff, Pfarrer Andreas Mauritz, dem Leiter der Pfarrei St. Jakob Aachen und ehemaliger Vorsitzender der ACK, sowie Bischof Evmenios von Lefka. In seiner Predigt hatte Bruckhoff zuvor den Blick auf die „Sackgasse, in der wir uns heute befinden“, auf Bedrohungsszenarien und Krisenherden der Erde und die damit verbundene Fremdenfeindlichkeit und Brutalität gelenkt. Er mahnte in Erinnerung des zum Jahresbeginn von der Evangelischen Kirche im Rheinland verabschiedeten Friedenswortes, „unserer Friedenssehnsucht mehr zuzutrauen als aller Kriegstreiberei und allen Hassreden“.  Mit Blick auf Ostern sagte er, Jesu Tod am Kreuz setze alle tödliche Gewalt ins Unrecht und seine Auferstehung zeige, dass die Gewalt nicht das letzte Wort habe.

Pfarrerin Annegret Helmer trug einen Text aus dem Matthäusevangelium vor.(Foto: Andrea Thomas)

Das Thema "Frieden" stand im Mittelpunkt

So gestärkt folgte die Gruppe den Spuren des Strukturwandels, die in und um Alsdorf auch 25 Jahre nach dem Ende des Steinkohlenbergbaus in der Region noch gut sichtbar sind. Sei es in den ehemaligen Grubengebäuden, wie dem Museum und Kulturort „Energeticon“, oder in den Alsdorf umgebenden Bergehalden. Durch das Broichbachtal ging es mit zwei Zwischenstationen entlang des Weges nach Herzogenrath. An der ersten Station stand noch einmal das Thema „Frieden“ und die Frage, was wir für ein friedliches Miteinander tun können, im Mittelpunkt. Daniel Dammers, Leiter der Jugendeinrichtung Kleine offene Tür St. Castor in Alsdorf und zwei seiner jungen Teamer berichteten dazu aus ihren Erfahrungen und dass es unter anderem auf Wertschätzung des anderen ankomme. Annegret Helmer, seit kurzem Pfarrerin in der evangelischen Christusgemeinde Alsdorf-Würselen-Hoengen-Broichweiden, trug dazu einen Text aus dem Matthäusevangelium vor. Der Pilgerweg gefiel ihr gut, sagte sie. Für sie und ihren Mann sei der Tag eine schöne Gelegenheit gewesen, etwas von ihrer neuen Heimat kennenzulernen, wie sie verriet.

An der Marienkapelle im Broichbachtal legten die Pilger eine Rast ein.(Foto: Andrea Thomas)

"Der Glaube bietet Heimat jenseits aller äußeren Veränderungen"

Auf dem Weg durch das Landschaftsschutz- und Naherholungsgebiet wurde Wandel in anderer Form sichtbar: Dem Kälteeinbruch zum Trotz ließen sich in Schneeglöckchen und Weidenkätzchen erste Boten des nahen Frühlings entdecken. Aber auch, wie der Mensch die Natur verändern kann und welche Verantwortung er für die Schöpfung dadurch hat. Entlang des Broichbachs lagen bis ins 20. Jahrhundert hinein acht Mühlen. Durch den Bergbau wurde der Boden soweit abgesenkt, dass sie ihren Betrieb einstellen mussten. Nach Schließung der Zechen wurden die entstandenen Löcher geflutet und Angelteiche angelegt, das heutige Naherholungsgebiet entstand. An seinem Rand, unterhalb des Herzogenrather Ortsteil Noppenberg, hat der dortige Verein der Heimatfreunde zu Beginn des neuen Jahrtausends eine kleine Marienkapelle erbaut, an der die Pilger eine Rast einlegten. Wandel habe es schon immer gegeben, sagte Helmut Königs von den Heimatfreunden in seinem Impuls vor der Kapelle. Der müsse nicht automatisch schlecht sein, wenn es gelinge, das Beste aus ihm zu machen. Wobei auch „der Glaube, der Heimat bietet jenseits aller äußeren Veränderungen“, helfe.

Im niederländischen Kloster Rolduc endete der Ökumenische Pilgerweg 2018.(Foto: Andrea Thomas)

"Wir stellen uns an die Seite derer, die weniger Chancen haben"

Um „Gerechtigkeit“ ging es an der dritten Station, dem Nell-Breuning-Haus in Herzogenrath, Bildungs- und Begegnungsstätte der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) und der Christlichen Arbeiterjugend (CAJ). „Das Bedürfnis nach Gerechtigkeit ist heimatlos geworden...“ Diese Zeitungsüberschrift lasse ihn nicht los, erklärte Dr. Manfred Körber, seit einem Monat neuer Leiter des Hauses. Was aber heiße es, wenn Gerechtigkeit heimatlos werde, ausgesperrt werde aus dem politischen Diskurs, kaputtgeredet werde? Im Nell-Breuning-Haus wollten sie der Gerechtigkeit zumindest provisorisch einen Ort geben. „Wir ringen hier mit Menschen in ihren Kämpfen, in ihrem Engagement. Wir stellen uns an die Seite derer, die weniger Chancen haben in unserer Gesellschaft und an die derer, die sich engagieren.“ Er erinnerte an den früheren Aachener Bischof Klaus Hemmerle, der Gerechtigkeit als ein Gespräch empfunden habe, in dem man sich einen Rahmen gebe und im Interesse aneinander voranschreite, getrieben von dem Wunsch einander zu verstehen.

Der Posaunenchor der evangelischen Christusgemeinde aus Hoengen-Broichweiden begleitete die Pilger musikalisch.(Foto: Andrea Thomas)

Der Glaube an Gott überwindet Konfessionsgrenzen

Von hier aus ging es auf die letzte Etappe des Weges, über die Grenze zwischen Deutschland und den Niederlanden, die für die Menschen in Herzogenrath und Kerkrade nie wirklich trennend war. So wie auch der Glaube an Gott Konfessionsgrenzen überwinden kann, was an diesem Tag einmal mehr deutlich wurde. Passend dazu intonierte der evangelische Posaunenchor aus Hoengen-Broichweiden, der den ökumenischen Pilgerweg wie schon in den Jahren zuvor musikalisch unterstützt hatte, zu Beginn der Schlussandacht in der Abteikirche von Rolduc Beethovens „Ode an die Freude“. In den Fürbitten machten sich die Mitglieder der ACK gegen Diskriminierung und Verfolgung und für alle stark, die für Gerechtigkeit und Frieden einstehen. Neues will wachsen, braucht seine Zeit, aber es ist lohnend investierte Zeit, wenn es um Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung unserer Schöpfung geht.

(Text: Andrea Thomas)

 

 

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Losung für den 11.12.2018:
Jauchzet, ihr Himmel; freue dich, Erde! Lobet, ihr Berge, mit Jauchzen! Denn der HERR hat sein Volk getröstet und erbarmt sich seiner Elenden.
Jesaja 49,13
Christus Jesus wurde für uns zur Weisheit durch Gott und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung.
1.Korinther 1,30