17.04.2018

Frieden: eine konkrete Aufgabe im alltäglichen Miteinander

Fünfzehn Teilnehmende hatten sich eingefunden, um in der "Islamischen Gemeinschaft Bosnien-Herzegowina e.V." gemeinsam über den Frieden im Islam, Judentum und Christentum zu sprechen.(Foto: Kathrin Albrecht)

Interreligiöser Trialog über Gemeinsamkeiten in Islam, Judentum und Christentum in der Moschee gestartet

Wie können wir Frieden schaffen und bewahren? Diese Frage bewegt Menschen weltweit. Unter dem Titel „Frieden geht anders“ beschäftigt sich der Evangelische Kirchenkreis Aachen in diesem Jahr mit dem Thema und fragt dabei besonders nach der Rolle der Religionen. In einer dreiteiligen Gesprächsreihe wollen Menschen verschiedener Religionen dabei jetzt in Aachen den Wurzeln des Friedens im Islam, dem Judentum und dem Christentum auf die Spur kommen. „Der Fokus liegt oft auf den Konflikten, die durch die verschiedenen Religionen hervorgerufen werden. Wir wollten schauen, was Religion zum Frieden beitragen kann“, sagt Pfarrer Hans Christian Johnsen. Er engagiert sich seit langem im interreligiösen Dialog und ist seit der Gründung des "Dialogs der Religionen" der Stadt Aachen im Jahr 2005 dort der Vertreter für die Evangelische Kirchengemeinde Aachen. In der Vergangenheit hat Johnsen bereits interreligiöse Gespräche organisiert. Zum ersten Mal wird in diesem Jahr auch die Jüdische Gemeinde in Aachen an der Gesprächsreihe teilnehmen. Pfarrer Johnsen erläutert das Konzept: „Es geht um das Gespräch miteinander und um das respektvolle Zuhören.“

Sead Sadikovic, Vorstandsvorsitzender der Gemeinde und neben Mehmet Jakubovic Imam in der Gemeinde, erläuterte Hintergründe zu einer Passage aus dem Koran.(Foto: Kathrin Albrecht)

Gespräch über die Bedeutung des Friedens im Islam

Den Auftakt machte nun ein Abend in der "Islamischen Gemeinschaft Bosnien-Herzegowina e. V." in Aachen. Rund 220 Familien zählt die Gemeinde, die ihren Standort an der Eisenbahnstraße hat. Fünfzehn Interessierte, darunter sechs Mitglieder des frisch gewählten Vorstands der Gemeinde, hatten sich zu einem Gespräch über die Bedeutung des Friedens im Islam zusammengefunden. Dazu hatten die Gastgeber verschiedene Textstellen aus dem Koran mit den entsprechenden Erläuterungen herausgesucht. Muslime legen den Koran nicht selbst aus. Nur theologisch entsprechend Geschulten ist eine Kommentierung der Suren und Verse gestattet. 114 Suren umfasst der Koran insgesamt, an 34 Stellen wird der Begriff Frieden erwähnt oder umschrieben, erklärt Sead Sadikovic, Vorstandsvorsitzender und neben Mehmet Jakubovic Imam in der Gemeinde. So auch in Sure 16, Vers 90.

Pfarrer Hans Christian Johnsen begrüßte die Teilnehmenden bei der Auftaktveranstaltung der Gesprächsreihe in der islsmischen Gemeinde Bosnien-Herzegowina e. V. Aachen.(Foto: Kathrin Albrecht)

"Allah verbietet die Gewalttätigkeit"

Diese Passage, erläutert Elvis Zenkovic, sei zugleich einer der umfassendsten Verse zum Frieden, denn er definiert moralische Grundlagen für den Gläubigen: „ Allah gebietet Gerechtigkeit, gütig zu sein und den Verwandten zu geben; Er verbietet das Schändliche, das Verwerfliche und die Gewalttätigkeit. Er ermahnt euch, auf dass ihr bedenken möget“, heißt es in dem Vers. Auch wenn der Begriff „Frieden“ in diesem Vers nicht vorkommt, verstehen doch alle Teilnehmer den Auftrag, der hier an den Gläubigen gegeben wird. Frieden sei eine konkrete Angelegenheit, die im alltäglichen Miteinander realisiert werden müsse, fasst es ein Teilnehmer zusammen.

Ein reger Austausch prägte den Abend. (Foto: Kathrin Albrecht)

Entscheidungsfreiheit ist einer der sechs islamischen Glaubensgrundsätze

Alle drei monotheistischen Religionen kennen auch die Paradies-Vorstellung. Im Islam ist das Paradies auch eng mit der Frage nach dem Frieden verknüpft. Als Beispiel trägt Ensar Jakubovic die Verse 46 und 47 aus der siebten Sure vor. Sie erzählen davon, wie Menschen am Scheideweg stehen, einerseits können sie ins Paradies sehen, andererseits ins Höllenfeuer. Im nachfolgenden Gespräch wird deutlich, dass diese Passage sich auf die Entscheidungsfreiheit des Menschen bezieht. Sie stellt  einen der sechs Glaubensgrundsätze im Islam dar. Auch dies ist eine Parallele zum Christentum und zum Judentum: Gott lässt dem Menschen die Wahl, welchen Weg er einschlägt. Und er vergibt, wenn er der fehlgeht. Die Passage macht auch deutlich, dass Frieden das letzte Ziel ist, das seine Vollendung im Paradies findet. Zum Abschluss des Abends waren alle Besucher eingeladen, das Abendgebet in der Moschee zu verfolgen.

Die Gesprächsreihe wird fortgesetzt am Donnerstag, 26. April, 19 bis 21 Uhr, in der Jüdischen Gemeinde, Synagogenplatz, mit Rabbiner Max Mordechai Bohrer. 
Durch den dritten und letzten Abend des Interreligiösen Trialogs am Donnerstag, 3. Mai, 19 bis 21 Uhr, führt  Pfarrer Ulrich Holste-Helmer im Haus der Evangelischen Kirche, in der Frère-Roger-Straße 8-19.

Informationen und Anmeldung bei Pfarrer Hans Christian Johnsen, Telefon: 0241 – 1824924, hanschristian.johnsen@ekir.de.

Die Teilnahme ist kostenlos.

ACHTUNG: Für den Abend am 26. April in der Synagoge muss die Anmeldung verbindlich vorliegen.

(Text: Kathrin Albrecht)