19.04.2018

Rekonstruierter Hochaltar schmückt wieder die Citykirche

Domkapitular Rolf-Peter Cremer, Pfarrerin Sylvia Engels, Superintendent Hans-Peter Bruckhoff und Pfarrer Timotheus Eller freuen sich über die Wiederherstellung des Hochaltars.(Foto: Rauke Xenia Bornefeld)

Silvesterrakete löste Kirchenbrand aus - Restaurierung dauerte sieben Jahre

„Ein überzeugender Ort der Ökumene“, so Superintendent Hans-Peter Bruckhoff, ist jetzt wieder gänzlich hergestellt: Am Dienstagabend wurde der restaurierte Hochaltar der Citykirche St. Nikolaus in Aachen mit einem ökumenischen Gottesdienst nach umfassenden Restaurierungsarbeiten seiner ursprünglichen Bestimmung übergeben. „Mit der Wiederherstellung des Dreiklangs aus Kirchenschiff, Altarraum und Hochaltar kann neues Leben einziehen“, so Domkapitular Rolf-Peter Cremer, der zusammen mit Bruckhoff sowie dem ökumenischen Pfarrteam der Citykirche, Sylvia Engels und Timotheus Eller, den Gottesdienst leitete.

Die leeren Rahmen werden bald mit zeitgenössischer Kunst bestückt.(Foto: Rauke Xenia Bornefeld)

Nach dem Brand glaubte niemand an eine Wiederherstellung

Nötig geworden war die Restaurierung nach dem verheerenden Brand in der Silvesternacht 2010/2011, ausgelöst durch eine Silvesterrakete. Der dreistöckige Altar von 1630 mit Bildern, die dem Rubens-Schülers Abraham van Diepenbeek zugeschrieben wurden, hatte den Stadtbrand von 1656 und ein Erdbeben 1692 schadlos überstanden. 2011 glaubte dagegen zunächst niemand an eine Wiederherstellung. Schon allein die Restaurierung des Kirchenraums war langwierig. „Es ist nur dem Einsatz der Feuerwehr zu verdanken, dass wir überhaupt eine Wiederherstellung ermöglichen konnten“, dankte Cremer deshalb besonders der Abordnung der Feuerwehr, die zum Gottesdienst erschienen war. Der wiederhergestellte Altar ist mit dem vor dem Brand allerdings nicht mehr zu vergleichen: Wenig Farbe, keine Figuren, keine Bilder. Dunkles Grau herrscht da, wo Feuer das Holz versenkt hat. Die Restaurateure und Denkmalschützer haben eine „fragmentarische Rekonstruktion“ vorgenommen – wie es mittlerweile Standard ist. „Er sieht noch nicht fertig aus, aber er ist fertig“, versicherte Eller. Bilder, die die noch leeren Rahmen füllen können, sollen in Ruhe entstehen. Die Kunstkommission des Bistums entscheidet darüber.

Domkapitular Rolf-Peter Cremer dankte der Feuerwehr, die in der Silvesternacht 2010/11 Schlimmeres verhindern konnte.(Foto: Rauke Xenia Bornefeld)

Superintendent Bruckhoff hielt die Predigt

In seiner Predigt zu Jesu Vertreibung der Händler aus dem Tempel (Joh. 2, 13-22) rief Superintendent Hans-Peter Bruckhoff die Aachener dazu auf, sich trotz oder vielleicht wegen seiner neuen Schlichtheit am Hochaltar zu orientieren: „Unterbrecht die Horizontale, richtet Euch in eine weitere Dimension aus.“ Dieser Hochaltar sei kein Wechslertisch, die Citykirche schon seit langem ein guter ökumenischer Ort, der eine Einladung zum Luftholen sei. Besonders auch für diejenigen, die Müdigkeit gegenüber der Institution Kirche und angesichts des unfriedlichen Zustands der Welt verspürten. Der Hochaltar erhebe den Blick zum österlichen Christus, eröffne eine neue Dimension im christlichen Leben. „Frieden ist das Gegenteil von Sicherheit, sagte Dietrich Bonhoeffer 1934 in seinem Aufruf zu einem Friedenskonzil. Frieden heißt, sich gänzlich dem Gebot Gottes auszuliefern“, so Bruckhoff. Die Ausstellung „Frieden geht anders“ des Kirchenkreises Aachen, die zurzeit in der Citykirche Station macht, zeigt Wege dazu auf.

Mit einem Festgottesdienst feierten katholische und evangelische Geistliche die Wiederherstellung des Hochaltars.(Foto: Rauke Xenia Bornefeld)

"Wir können nur ökumenisch überzeugen“

Die katholische Kirche St. Nikolaus wird seit 2002 für die ökumenische City-Seelsorge genutzt. „Hier können wir Menschen treffen, die wir sonst nicht mehr erreichen, ihnen Glaubenshilfe als Lebenshilfe geben“, meinte Bruckhoff und bezog damit beide christliche Konfessionen ein. „Wie Bischof Hemmerle mit Worten des Johannes sagte: ‚Dass wir eins sind, damit die Welt glaubt.‘ Wir können nur ökumenisch überzeugen.“ So will auch Pfarrerin Engels, die gemeinsam mit ihrem katholischen Kollegen Eller den Alltag in der Citykirche verantwortet, ihre Arbeit verstehen: „Wir wollen nicht auf Kosten des ökumenischen Profils unser eigenes konfessionelles Profil schärfen.“ Es gehe darum Besonderheiten zu erkennen und voneinander zu lernen.

(Text: Rauke Xenia Bornefeld)

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Ich will in der Wüste Wasser und in der Einöde Ströme geben, zu tränken mein Volk, meine Auserwählten.
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Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!
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