12.09.2014

Erfolgreiche Premiere in der Glaubenswoche: Erstes „Ökumenisches Couchgespräch“ in der Versöhnungskirche

Pfarrer Hans Christian Johnsen im Gespräch mit katholischem und freikirchlichem Kollegen - Gemütliches Ambiente im Gemeindehaus

„Auf dem Sofa lassen sich manche Dinge anders besprechen, als am Konferenztisch oder von der Kanzel“, ist Pfarrer Hans Christian Johnsen von der evangelischen Kirchengemeinde Aachen überzeugt. Um Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen, hat er deshalb eine spannende neue Veranstaltung konzipiert, die jetzt im Rahmen der „Glaubenswoche" der GdG Eilendorf/Rothe Erde ihre mehr als erfolgreiche Premiere feierte. Unter dem Motto „über den Kirchturm hinaus...“ trafen sich in der Versöhnungskirche Vertreter der katholischen, evangelischen und freikirchlichen Gemeinden zum ersten „Ökumenischen Couchgespräch“. Gastgeber Pfarrer Hans Christian Johnsen vertrat gerne selbst die evangelische Seite. Moderator Dr. Karl Weber begrüßte darüber hinaus Pfarrer Gregor Huben von der katholischen Gemeinde St. Severin und Pastor Dr. Andreas Reichert von der Evangelisch Freikirchlichen Gemeinde.

Kurzweiliges und interessantes Gespräch

Das gemütliche Ambiente im Pfarrheim kam sehr gut beim Publikum an, schnell füllten sich die Stuhlreihen und rund 60 Zuhörer verfolgten interessiert das kurzweilige und durchaus unterhaltsame Gespräch auf der Couch. Die Protagonisten erzählten über ihren Werdegang, stellten überraschende Gemeinsamkeiten fest und bezogen auch Stellung zu den Herausforderungen, die der Alltag in der Gemeinde ihnen darbietet.

"So fremd sind wir einander gar nicht“, stellte eingangs der 53-jährige Baptist Andreas Reichert fest. Er leitet die evangelisch-freikirchliche Gemeinde in Aachen-Forst, ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt seit 17 Jahren in Aachen.

Katholik Huben absolvierte eine „klassische katholische Karriere“, war nach dem Abitur am Bischöflichen Gymnasium zunächst Zöllner, studierte dann Theologie und Philosophie, wurde Kaplan in Burtscheid und Sekretär des Bischofs von Aachen. Seit 2008 ist er Pfarrer in Eilendorf, seit 2011 in der Bistumsleitung auch für den Bereich Rechtssprechung zuständig.

"Für mich ist das heute ein Heimspiel“, freute sich Gastgeber Johnsen. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und ist seit 2005 in Eilendorf ansässig. „Bei uns heißt es Gottesdienst, nicht Messe“, stellte er einen ersten entscheidenden Unterschied fest. Prägend für die Protestanten sei auch der Fokus auf der Predigt, eine gewisse Wortlastigkeit. „Wir sind außerdem sehr demokratisch organisiert, machen viele Sachen im Team.“

"Mehr Gläubige würden wir alle gerne sehen“, stellte Huben eine Gemeinsamkeit heraus. Auch das Radfahren mögen alle drei Herren gerne, wie Moderator Dr. Weber nach der Vorstellungsrunde herausfand. „In Caritas und Diakonie sind wir uns natürlich auch ähnlich, denn Hilfe ist konfessionsübergreifend wichtig und zum Beispiel Armut ist ja nicht katholisch oder evangelisch“, betonte Huben. Für die Katholiken sei die „sinnenhafte“ Liturgie prägend, mit den Messgewändern, die in verschiedenen Farben das Auge ansprechen, dem Weihrauch, der die Nase herausfordert und der Kirchenmusik, die mit Gesang und Orgel das Ohr erfreut.

Beruf als Berufung

"Mein Beruf ist mir nicht nur ein Job, sondern eien Berufung. Morgens beginne ich mit einer persönlichen Andacht um Kraft für den Alltag aus meiner Beziehung zu Gott zu gewinnen“, erzählte Reichert über seine Tätigkeit in der Freikirche.

Auch das Publikum brachte sich ein und zeigte, wie „bunt“ der Glaube ist: „Ich bin ein Protestant, der sich katholisch fühlt“, erklärte ein Zuhörer. „Es gibt zu viel Trennung zwischen den Konfessionen. Wir haben viel mehr gemeinsam, als es auf den ersten Blick aussieht“, stellte ein anderer fest. „Da gibt es tatsächlich keine klare Trennschärfe, wir sind alle evangelisch, wenn wir das Evangelium leben, das uns Orientierung, Halt und Werte vermittelt“, betonte Pfarrer Johnsen. Und das erste ökumenische Couchgespräch, bei dem „über den Kirchturm hinaus“ geschaut wurde, soll kein einmaliges Experiment bleiben, wie er ankündigte.

(Text und Bilder: Nina Krüsmann)

 

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