15.06.2017

„Jeder Ort ist jetzt mein Ort“

Großes Jubiläumsfest in Gemünd: 10 Jahre Trinitatis-Kirchengemeinde Schleidener Tal – Kinder führten Luther-Musical auf

Seit fast 500 Jahren gibt es evangelisches Leben im und um das Schleidener Tal herum. Seit genau zehn Jahren gehören die Evangelischen in Gemünd, Schleiden, Hellenthal, Kall und den vielen kleineren Ortschaften dieser Gegend tatsächlich zu einer Kirchengemeinde, der Trinitatis-Kirchengemeinde Schleidener Tal. Um beide Jubiläen gleichzeitig angemessen zu würdigen, feierte die Gemeinde jetzt ein großes Festwochenende. Es begann am Samstag mit einem Gospel-Konzert plus anschließendem Grillabend und fand seinen Höhepunkt mit einem Festgottesdienst, einem Gemeindefest und der Aufführung des Kinder-Musicals „Wenn einer fragt“ über Martin Luther am Trinitatissonntag.

Evangelische Christen sind verlässliche Gemeinschaft

„Spürt, wie uns Gott ganz eng zusammenwebt“, hieß eine Zeile in dem Lied, das der Gospelchor „Masithi Amen“ zu Beginn des Festgottesdienstes in der Evangelischen Kirche Gemünd sang. Und wie das Zusammenweben der Gemeinden begonnen hatte, zeichnete Pfarrer Hans-Peter Bruckhoff in seiner Predigt über die Vereinigung der ehemals drei Gemeinden nach. Wie auch das ganze Festwochenende stand die Predigt unter dem Leitsatz der Trinitatis-Kirchengemeinde: „Wir evangelischen Christen im Schleidener Tal sind eine verlässliche Gemeinschaft, die durch Gottes Wort Zuversicht und Ziel für das Leben gewinnt.“

Mit einer Umfrage fing alles an

Pfarrer Bruckhoff erinnerte in seinem Rückblick an eine Umfrage unter den Gemeindegliedern im Jahr 2003, mit der alles begonnen habe, an die Weiterarbeit in verschiedenen Gruppen, an Zustimmung und Widerspruch zur Gemeindearbeit und zum Fusionsprozess sowie an die Überzeugungen, welche die Gemeinde bei der Umsetzung ihres Zieles leiteten. Auch manche Schlagworte, die damals eine Rolle spielten, rief er den 250 Gottesdienstbesuchern ins Gedächtnis, so wie den Spruch „Evangelisch! Das Wort sagt alles!“, oder „Eifel – hier macht Christsein Spaß“.

Schritt zur Fusion "hat nicht wehgetan"

Eine Presbyterin, die sich schon damals in der Gemeinde engagierte, ist Lydia Pommer. „Damals, als wir mit dem Fusionsprozess begannen, dachte ich, wir sind noch nicht so weit“, erinnert sie sich heute an die Anfänge des Zusammenschlusses. Doch hätten die ausführliche Vorarbeit, auch unter Begleitung externer Berater, sich als sehr hilfreich und fruchtbar erwiesen. „Danach war der Schritt zur Fusion leicht und hat nicht wehgetan“, sagt sie heute. Durch die gemeinsame Arbeit, bei der alle Sorgen offen angesprochen wurden, habe niemand mehr Angst haben müssen, durch die Fusion vereinnahmt zu werden, meint sie.

„Meiner Meinung nach war die Fusion die beste Entscheidung. Ich fühle mich inzwischen richtig in der neuen Gemeinde angekommen, und jeder Ort ist jetzt mein Ort.“ Früher habe die Kirche in Schleiden für sie einen besonderen Stellenwert gehabt, weil sie selbst dort konfirmiert wurde, geheiratet habe und ihre Kinder dort getauft wurden. „Heute gehe ich überall gern zum Gottesdienst, ob in Heimbach, Gemünd oder Hellenthal.“

Lokalpatriotismus heute nur noch vereinzelt

Die positive Bilanz teilt auch Pfarrer Oliver Joswig, der 2004 in die Gemeinde kam als die gemeinsame Arbeit des Kennenlernens schon begonnen hatte, der verbindliche Entschluss zur Fusion aber noch nicht getroffen war. „Ein wichtiger Schritt war für mich die Einführung einer gemeinsamen Liturgie zu Ostern 2006, ein Jahr vor der Fusion“, erinnert er sich. Eine Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden im Schleidener Tal habe auch vor der Fusion schon bestanden, zum Beispiel durch gemeinsame Freizeiten, Urlaubsvertretungen zwischen den Pfarrern, einen gemeinsamen Posaunenchor und verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen vielen Gemeindegliedern. „Heute, nach zehn Jahren in einer Gemeinde, flackert nur an ganz wenigen Stellen noch Lokalpatriotismus auf, und das auch meist eher scherzhaft“, schmunzelt Pfarrer Joswig. „Wir haben wirklich ein gutes Miteinander.“

Nachbarn besuchen "Muttergemeinde"

Ein gutes Miteinander pflegt die Trinitatis-Kirchengemeinde Schleidener Tal auch mit den Nachbargemeinden, der Ev. Kirchengemeinde Monschauer Land und der Ev. Kirchengemeinde Roggendorf. Beide Gemeinden waren ebenfalls zum Festgottesdienst eingeladen und kamen dieser Einladung teils mittels ungewöhnlicher Anreisewege nach. „Dies hier ist unsere Muttergemeinde“, erklärte Pfarrer Christoph Cäsar aus dem Pfarrbezirk Blankenheim.

„Vor 1867, bevor es unsere Roggendorfer Kirche gab, sind die Evangelischen aus unserer Gegend jeden Sonntag zu Fuß nach Gemünd gegangen, um hier Gottesdienst zu feiern.“ So machten sich am Festsonntag auch Roggendorfer nicht nur in Autos, sondern in einer Wandergruppe, einer Radfahrergruppe und in einem von Pferden gezogenen Planwagen auf, um am Jubiläum in Gemünd teilzunehmen. „Zu zwölft sind wir um 7.30 Uhr in Roggendorf losgegangen und bis 11 Uhr gewandert“, sagte Pfarrer Cäsar.

Gottesdienst zum Regenbogen im Pfadfinder-Zelt

Die Kinder, die im Planwagen gekommen waren, konnten in Gemünd an einem besonderen Kindergottesdienst in einem Pfadfinderzelt teilnehmen. Pfarrer Ude und sein Team hatten dort einen Gottesdienst zum Thema Regenbogen vorbereitet, bei dem die Kinder lernen konnten, dass keine Farbe wichtiger ist als die andere, sondern dass erst alle zusammen den schönen Regenbogen ergeben.

Wichtige Stationen aus dem Leben Martin Luthers

Nach dem Gemeindefest mit Grill-, Getränke- und Kuchenstand, Kinderspielen und bestem Sommerwetter endete das Fest schließlich mit der aufwändig vorbereiteten Aufführung des Kinder-Musicals „Wenn einer fragt“. Die Kinder der „Chorkids Gemünd“ und des Kinder-Projektchors „Luther-Singers“ sangen und schauspielerten dabei das Leben Martin Luthers. In liebevoll geschneiderten Kostümen stellten die Kinder, die meisten im Alter zwischen acht und zwölf Jahren, dabei unter anderem den Reichstag in Worms dar, Luthers Zeit auf der Wartburg, den Bauernkrieg oder das Familienleben mit Katharina von Bora.

Die Hauptrolle Martin Luthers spielte der elfjährige Jona Gossen. „Wir hatten Luther schon mal in der Schule durchgenommen, deshalb wusste ich schon einiges über ihn“, sagte der Junge, der selbst katholisch ist. „Am Musical hat mir besonders gut gefallen, die 95 Thesen an die Wand zu nageln, und die Entführung auf die Wartburg.“

Kinder mit viel Freude bei der Sache

Bei der Einübung des Musicals in nur drei Monaten seien die Kinder mit viel Freude bei der Sache gewesen, trotz des schwierigen Stoffes, sagen Werner Harzheim, Gabi und Heinz Ströder, die das Projekt leiteten und mit den Kindern probten. „Das Musical wird zwar von Kindern gespielt, aber richtet sich eigentlich an Erwachsene“, finden sie. An den Texten musste Gabi Ströder deshalb einiges vereinfachen und immer wieder viel erklären.

„Sie hatten aber Spaß daran und haben gut verstanden, um was es geht“, sagt sie. „Die kindgerechten Melodien gehen auf jeden Fall leicht ins Ohr“, ergänzt ihr Mann. Auch Pfarrer Erik Schumacher äußerte sich nach Ende des Singspiels begeistert und sagte: „Das war Verkündigung von Kindern für Erwachsene – kompakt und auf den Punkt. Ich würde mich freuen, wenn es nicht bei dieser einen Aufführung bleiben würde, sondern wir noch weitere Gelegenheiten in unserer Gemeinde finden würden, dieses tolle Stück zu zeigen!“

(Text: C. Braun / Kirchenkreis Aachen; Fotos ohne weitere Namensnennung: C. Braun)

Weitere Eindrücke vom Fest

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Losung für den 2.06.2020:
Mein Herz ist fröhlich in dem HERRN.
1.Samuel 2,1
Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude.
1.Petrus 1,8