27.03.2019

Ein Fenster in die Vergangenheit

An der RWTH Aachen wurde die Alte Synodalbibliothek des Evangelischen Kirchenkreises Aachen eröffnet - Rückschlüsse auf Geisteshaltung früherer Generationen und Entwicklung der evangelischen Gemeinden in der Region möglich

„Faciendi plures libros nullus est finis" - Es nimmt kein Ende mit dem vielen Bücherschreiben und viel Studieren ermüdet den Geist. An dieses Lamento aus dem Buch Kohelet haben sich Theologen und Historiker ausnahmsweise einmal fast gehalten. Denn statt neuen Büchern standen alte Bücher im Mittelpunkt. Die „Alte Synodalbibliothek“ des Evangelischen Kirchenkreises Aachen hat als Dauerleihgabe im Institut für katholische Theologie der RWTH Aachen ein neues Zuhause gefunden. Mit einem kleinen Festakt, bei der auch Stücke aus dem Bestand ausgestellt waren, wurde die Eröffnung der Alten Synodalbibliothek gefeiert.

Historischer Bestand nach Jahrzehnten des Dornröschenschlafs wieder nutzbar

291 Bücher umfasst der Bestand der Alten Synodalbibliothek. In einem Stahlschrank, der die empfindlichen Bücher, überwiegend aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammend, vor Licht und Feuchtigkeit schützt, finden diese nun Platz. Damit ist der Bestand nach Jahrzehnten des Dornröschenschlafs wieder nutzbar – zur weiteren wissenschaftlichen Auswertung und für begründete Eigeninteressen. Die Kooperation war möglich geworden durch eine Vereinbarung, die 2018 zwischen dem evangelischen Kirchenkreis und der RWTH University geschlossen wurde. Es sei ein schönes Zeichen, dass das Institut für katholische Theologie einspringe, um Bücher der evangelischen Bibliothek zu retten, sagte Institutsdirektor Simone Paganini.

Superintendent Hans-Peter Bruckhoff dankte den beiden Historikern Jörg Fündling und Thomas Richter für ihre Arbeit – sie hatten den Bestand, der 2014 in Umzugskartons entdeckt worden war, gesichtet und katalogisiert. Der Katalog ist unter dem Titel „Regional vernetzt im Glauben“ in der Reihe „Aachener Theologische Schriften“ erschienen. Bei der Alten Synodalbibliothek handele es sich jedoch nicht nur um alte Bücher und um Informationsvermittlung, führte Bruckhoff weiter aus. Dieser Bestand lasse auch eine Geisteshaltung erkennen und gebe Antwort auf die Frage, womit sich Menschen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts befasst haben.

"Diese Zeit hat bis heute einen immensen Einfluss auf das Leben in den evangelischen Gemeinden"

Einen maßgeblichen Anteil an der Erschließung der Alten Synodalbibliothek hatte Pfarrer Jens-Peter Bentzin, Archivpfleger des Evangelischen Kirchenkreises Aachen. Der Bestand sei als Bildungsoffensive für den evangelischen Pfarrerstand von großem Wert – damals wie heute. Die Entwicklung der Bibliothek lasse auch Rückschlüsse auf die Dynamik in der Entwicklung der evangelischen Gemeinde in der Region zu, sie seit Mitte des 19. Jahrhunderts stetig gewachsen war und das Leben in der Region, Aachen eingeschlossen, mitprägte. Diese Zeit habe bis heute einen immensen Einfluss auf das Leben in den evangelischen Gemeinden, betonte Bentzin.

Die Bibliothek hat ihren Ursprung in einem theologischen Lesekreis, der vor 1862 zur Weiterbildung für die Pfarrer im evangelischen Kirchenkreis Aachen eingerichtet wurde, die in ihrer Region auf keine wissenschaftliche Fachbibliothek zurückgreifen konnten. Der Großteil der erhaltenen Bücher ging bereits 1978 an die Diözesanbibliothek des Bistums Aachen im Katechetischen Institut – ein Restbestand verblieb jedoch in den Räumen der Michaelstraße. Es lasse Rückschlüsse darauf zu, dass die Bibliothek nicht besonders gut gepflegt wurde, resümiert Richter. Aus einem Schreiben zum Bestand der Synodalbibliothek des damaligen Bibliotheksbeauftragten, Pfarrer Karl Hennig, geht hervor, dass die Bücher aus Platzgründen „behelfsmäßig in Geschirrschränken und sonstigen Räumen“ untergebracht waren. Was zu erforschen bleibe, sei unter anderem die Frage, wie verbreitet solche Lesekreise innerhalb der Evangelischen Kirchenkreise waren.

Viele Vertreter der liberalen Theologie und Interesse an sozialen Fragen

Wäre der Kirchenkreis Aachen eine Ausnahme oder völlig normal? Thematische Schwerpunkte bildeten vor allem Bücher zur Regionalgeschichte, reformierte Themen und Kirchengeschichte, überwiegend Monografien zum frühen Christentum. Dominant seien die Vertreter der liberalen Theologie. Ferner lasse der Bestand ein Interesse an sozialen Fragen erkennen, erläuterte Jörg Fündling. Für die beiden ist die bisherige Arbeit nur der Auftakt einer weiteren Erforschung der Bibliothek und ihrer Geschichte. Bislang seien die Alltags- und Bildungsgeschichte der evangelischen Gemeinden zwischen Baesweiler und St. Vith ein wenig beachtetes Feld regionaler Geschichtsschreibung gewesen. Die Bibliothek und vor allen die 95 erhaltenen Leihzettel böten Ansatzpunkte für zukünftige Untersuchungen. Der Bestand der Alten Synodalbibliothek ist im Nebenflügel des Instituts für Katholische Theologie der RWTH an der Theaterstraße 14 in Aachen untergebracht.

(Text: Kathrin Albrecht)

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Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude.
1.Petrus 1,8