Christi Gebot der Nächstenliebe – die Frauenhilfe der evangelischen Kirchengemeinde Baesweiler-Setterich-Siersdorf schreibt das in Großbuchstaben. Und das nicht erst seit gestern. Am ersten Advent feierte die Frauenhilfe ihr 100-jähriges Bestehen mit einem festlichen Gottesdienst in der Friedenskirche, geleitet von Pfarrer Jochen Gürtler und Pfarrerin Elisabeth Peltner und musikalisch unterstützt vom Kirchenchor „Laetitia cantandi“. Im Anschluss gab es einen Empfang.
100 Jahre Frauenhilfe Baesweiler

Foto: Andrea Thomas
Gefeiert wurde das Jubiläum mit einem Festgottesdienst in der Friedenskirche.
Wie alles begann
Angefangen hat alles im Jahr 1925, zu einer Zeit als Frau in vielen Belangen noch über den Mann an ihrer Seite definiert wurde. Damals gründeten einige engagierte Frauen aus der evangelischen Gemeinde zusammen mit der dort tätigen Gemeindeschwester die örtliche Frauenhilfegruppe. Zusammengekommen waren die Frauen schon vorher, um zu tun, was die Gruppe bis heute ausmacht: tätige Nächstenliebe. Sie halfen denen, denen es nicht so gut ging im Leben und stützten und stärkten sich gegenseitig. Letzteres war wichtig, boten die Gruppenstunden den im überwiegend katholischen Baesweiler eh schon etwas isolierten Frauen doch die Möglichkeit, sich auszutauschen. Hier konnten sie sagen, was sie dachten, was sie sich wünschten, und über Themen des Glaubens (und viele mehr) sprechen, die sie beschäftigten.

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Angela Baker-Price verteilt das Rezept für „So können Sie ein Segen sein“ an die Gottesdienstgemeinde.
Große Hilfe nach dem Zweiten Weltkrieg
Das hatte sich auch 30 Jahre später nicht verändert, als nach dem zweiten Weltkrieg vermehrt junge evangelische Familien nach Baesweiler und Setterich kamen, weil die Männer Arbeit „auf der Kull“ fanden, wie Maria Graffi, seit 70 Jahren Frauenhilfe-Schwester, sich im Gottesdienst erinnert. „Wir haben gemeinsam wieder aufgebaut, packten an, haben für die Familien gestrickt genäht und gehäkelt, für Gemeindefeiern Kuchen gebacken und, wenn eine von uns krank war, haben wir anderen im Haushalt geholfen.“ Ihr Zusammenhalt, sei wertvoller gewesen, als jeder Luxus.

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Als symbolisches Geschenk zum Jubiläum gab es von Pfarrer Jochen Gürtler im Namen des Presbyteriums eine besonders gestaltete Kerze.
Pfarrer Jochen Gürtler: „Wir können auf sie zählen“
Auch heute ist die Gruppe ein „Rückgrat der Gemeinde“, erklärte Pfarrer Jochen Gürtler. „Wir können auf sie zählen.“ Trotz ihres inzwischen bei 70plus liegenden Altersdurchschnitts. Als Dankeschön gab es eine speziell zum Jubiläum gestaltete Kerze sowie eine Spende für die Arbeit der Frauenhilfe.
Sie seien ein Segen für andere, erklärte Jochen Gürtler, weshalb er und das Frauenhilfe-Vorstandsteam um die Vorsitzende Angela Baker-Price, den Jubiläumsgottesdienst unter das Bibelzitat „Du sollst ein Segen sein“ gestellt hatten. Neben „segensreichen“ Geschichten, hatte Angela Baker-Price dazu ein Rezept mitgebracht, anzuwenden bei „Mangel an positiven Begegnungen, gekennzeichnet durch ein Fehlen von unterstützenden Kontakten“. Die Dosierung ist einfach: nach Bedarf, aber am besten täglich. Morgens beginnt man mit einem Dank für Gottes Segen, den man über den Tag hinweg mit Worten und Taten weiterzugeben versucht, bevor man am Abend als letzte Dosis noch einmal zurückschaut, wo und wie man selbst ein Segen für andere war oder, wo man selbst Segen empfangen hat.

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Für die musikalische Gestaltung des Jubiläumsgottesdienstes sorgte der Kirchenchor der evangelischen Kirchengemeinde Baesweiler-Setterich-Siersdorf „Laetitia cantandi“, in dem auch einige Frauenhilfe-Schwestern mitsingen.
Täglich Freundschaft und Gemeinschaft zelebrieren
Segen in Worten und Taten, ein Rezept allein reichte Pfarrer Jochen Gürtler da nicht, er bat die versammelte Festgemeinde um praktische Beispiele. Eine kleine Auswahl: Menschen, die „ihre Zähne nicht auseinanderkriegen“ freundlich grüßen; Freundschaften pflegen, zum Beispiel mit Adventspost für liebe Menschen; beim Besuch der Mutter im Seniorenheim auch ein nettes Wort für deren Mitbewohnerinnen und -bewohner haben; respektvoll miteinander umgehen; im Advent Alte und Kranke mit einem Besuch und Plätzchen beschenken. Einander beschenken die Frauenhilfe-Schwestern übers Jahr bei vielen Aktionen, Festen und Gruppenstunden. „Wir sind ein Ort voller Freundschaft und Gemeinschaft“, beschreibt ihre Vorsitzende Angela Baker-Price, was die Frauenhilfe Baesweiler für sie ausmacht. Das, so ist sie überzeugt, wird die Gruppe auch in Zukunft tragen.

