Bewegender Tiergottesdienst in Mechernich

"Die Bibel ist biozentrisch", so Pfarrer Thorsten Schmitt - Gut angenommen wurde der persönliche Segen für Mensch und Tier

Ungewöhnliche Teilnehmer bestimmten das Bild beim Gottesdienst, der Ende Mai am Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Mechernich stattfand. Vier Pfoten und feuchte Nasen bei einem Gutteil der Besucher machten deutlich, worum es an diesem Tag ging. Denn hier fand der erste Tiergottesdienst in der Evangelischen Kirchengemeinde Roggendorf statt. Rund 25 Menschen mit zehn Hunden waren bei dem Gottesdienst mit dabei. Da die aus Belgien über die Eifel ziehenden Gewitterfronten eine Pause eingelegt hatten, konnte der Gottesdienst im Freien veranstaltet werden.  

Die Idee dazu hatte Pfarrer Thorsten Schmitt aus der Kirchengemeinde in Niederaußem mitgebracht, in der er bis 2024 tätig war, bevor er die Pfarrstelle von Christoph Cäsar in Blankenheim übernahm, als der in Ruhestand ging. Mehrere Male habe er dort zu solchen Gottesdiensten geladen. 

Die Liebe zu den Vierbeinern beschreibt er frei nach Loriot: „Das Leben ohne Hund ist möglich, aber sinnlos.“ Auf den Hund gekommen sei er im Jahr 2006, als er eine Pflegestelle besucht habe, wo Milan, ein Tierschutzhund aus Sardinien, gepflegt wurde. „Beide rechten Beine waren durch einen Verkehrsunfall gebrochen und waren in Deutschland behandelt worden“, beschreibt er dessen Zustand. Trotzdem habe sich der Rüde auf seine gesunden Beine und die Gehhilfen hochgearbeitet, als er ihn gesehen habe, sei zu ihm gegangen und habe sich vor ihn auf den Boden geworfen, um sich den Bauch kraulen zu lassen. 

„Leben mit einem Haustier hat eine besondere Qualität“, sagte Schmitt. Deshalb sei der Gottesdienst keineswegs nur für Hunde gedacht. „In Niederaußen kam einmal auch ein Pferd, und auch ein Goldfisch war einmal dabei“, berichtete Schmitt. Wenn die Menschen ihre Geschichte erzählen würden, wären das immer wieder ganz berührende Geschichten. 

Trauer wie beim Verlust eines Familienangehörigen

Wie bei Marc R. Ebke aus Dahlem. Er ging mit seinem zweijährigen Mischlingsrüden Heinrich ans Mikro, um über sein Verhältnis zu dem Hund zu berichten. „Er ist meine Stütze und Seele, er ist mein Seelenverwandter“, berichtete er. Heinrich komme aus dem Tierheim Bukov im rumänischen Ploiesti, in dem mehr als 4.000 Hunde ihr Leben fristen. Der Hund habe für ihn eine enorme Bedeutung, da er an einer posttraumatischen Belastungsstörung und einer Angststörung leide, sagte Ebke. Der Tierschutzhund werde zur Zeit als Therapiehund ausgebildet. 

Auch Susanne Schmitt berichtete von ihren Erfahrungen. „Es ist eine bedingungslose Zuneigung“, beschrieb sie es. Sie habe gemerkt: Ohne Hund gehe es nicht. Die Trauer um ein Tier, das gestorben sei, könne immens sein, wie sie gelernt habe, als ihr Pferd gestorben sei. 

Bibel bezieht sich auf die gesamte Schöpfung

Die Verbundenheit zwischen Mensch und Tier sei die eine Seite, doch gebe es auch riesiges Leid, machte Pfarrer Schmitt deutlich. Doch in diesem Gottesdienst solle es nicht um die Schattenseiten gehen, sondern um das, was die Bibel über das Verhältnis zu Tieren sage. So hatte er den Psalm 36 herausgesucht, in dem die Bibel Gott mit einem Tier vergleiche. „Die Bibel ist, auch wenn sie von Menschen geschrieben worden ist, nicht anthropozentrisch, sondern biozentrisch“, betonte er. Sie sei also nicht auf den Menschen fokussiert, sondern beziehe sich auf die gesamte Schöpfung und das Leben in seinen vielen Formen. Der Mensch sei ein Teil dieser Schöpfung. 

So sprach Schmitt mit den Gläubigen ein von dem Waliser „Animals Padre“ James Thompson zusammengestelltes Glaubensbekenntnis, in dem mit entsprechenden Bibelstellen das besondere Verhältnis von Gott zu allen Geschöpfen in den Mittelpunkt gestellt wird. „Wir Menschen, als Gottes Ebenbilder, sind für Tiere verantwortlich und sollen sie in Ehrfurcht und mit Barmherzigkeit behandeln“, heißt es da unter anderem. 

Text: Stephan Everling

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