Eine Heimkehr und ein Neuanfang zugleich

Erik Schumacher wurde als neuer Pfarrer in der Aachener Immanuelkirche eingeführt - Der 60-Jährige ist im Kirchenkreis kein Unbekannter, weil er 26 Jahre als Pfarrer in der Eifel gewirkt hat

„Ich bin richtig hier!“ Das waren die ersten, spontanen Worte von Pfarrer Erik Schumacher bei seinem Einführungsgottesdienst am vergangenen Sonntag in der Immanuelkirche, nachdem er zahlreiche Segenszusprachen von Pfarr-Kolleginnen und -Kollegen, aber auch vielen anderen Menschen, zum Beispiel von den Nachbargemeinden, der katholischen Pfarre St. Gregor von Burtscheid, der christlich-iranischen Gemeinde sowie dem Arbeitskreis Christlicher Kirchen in Aachen (ACK), bekommen hatte. Für ihn wie für viele Menschen in der bis auf die letzte Sitzmöglichkeit gefüllten Immanuelkirche im Gemeindebereich Aachen-Süd der Kirchengemeinde Aachen war es ein Heimkommen des 60-Jährigen in den Kirchenkreis Aachen. 

Werdegang

26 Jahre war Schumacher Gemeindepfarrer am südlichen Ende des Kirchenkreises, zuletzt für die evangelische Trinitatis-Gemeinde, die 2007 aus einer Fusion der Gemeinden in Schleiden, Gemünd und Hellenthal entstanden ist. Als theologischer Vorstand der Diakonie im Kirchenkreis war er auch in anderen Teilen der Städteregion Aachen bekannt.
Dann jedoch ergriff er die Gelegenheit, das Thema, das ihn seit einem Studienaufenthalt an der Hebräischen Universität Jerusalem begleitet und beschäftigt hat, zum primären Inhalt seiner beruflichen Aufgaben zu machen: Israel und der Nahe Osten. Am 1. Dezember 2023 trat er die Stelle des Referatsleiters Naher Osten/Kirchliche Weltbünde bei der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover an. Er übernahm damit unter anderem die Geschäftsführung der EKD-Stiftungen in Israel, war Ansprechpartner für die Hauptamtlichen der dortigen evangelischen Gemeinde deutscher Sprache zu Jerusalem. 

Seelsorge statt Krisenmanagement

Das alles knapp zwei Monate nach dem Überfall der Hamas auf Israel und dem Beginn des Gaza-Krieges als Reaktion darauf. „Es war damit ganz anders als ich erwartet hatte. In der Bewerbungsphase im Frühsommer hatte ich noch den Anspruch, die Plattform für einen Trialog zwischen Juden, Christen und Palästinensern auszubauen. Als ich die Stelle antrat, gab es nur noch Arbeiten in der Krise. Die vorherrschenden Gefühle waren Wut, Schmerz und Enttäuschung auf allen Seiten“, berichtete Schumacher vor seiner Einführung. „Eine konstruktive Arbeit ist dort derzeit nicht möglich. Es braucht eher Krisenmanagement.“ 
Das war für ihn ein Grund, die Stelle als Oberkirchenrat bei der EKD wieder aufzugeben und sich nach etwas anderem umzusehen. Ein anderer war, „dass mir fehlte, Gottesdienste zu halten und seelsorgerisch tätig zu sein“. So war es ein Glück für ihn, dass die Pfarrstelle an der Immanuelkirche noch nicht vergeben war.

Nachfolger von Pfarrer Redmer Studemund

Dort ist er nun seit 1. November Pfarrer, als Nachfolger des nach schwerer Krankheit am 7. Juli 2024 verstorbenen Pfarrers Redmer Studemund. Er wird im Verbundsystem in der Kirchengemeinde Aachen auch in der Auferstehungskirche und der Emmauskirche in Gottesdiensten erlebbar werden. Superintendentin Verena Jantzen machte deutlich: „Da schließen sich mehrere Kreise, die zugleich immer Neues beinhalten.“: Zurück in seiner Geburtsstadt Aachen, aber eine neue Gemeinde; zurück im Kirchenkreis Aachen, aber nicht mehr in der ländlichen Eifel, sondern im großstädtischen Umfeld; an der ehemaligen Wirkungsstätte von Pfarrer Studemund, mit dem er einige Studienjahre gemeinsam geforscht hatte, aber nun nicht mehr primär mit dem Heiligen Land befasst, sondern mit den Belangen der Bevölkerung des Aachener Südens. „Liebe Gemeinde, lass Dir den Dienst Eures Pfarrers gefallen“, rief Superintendentin die Gemeindeglieder auf, ihren neuen Pfarrer freundlich aufzunehmen und zugleich an seinem Wirken aktiv als Christen teilzuhaben.

Arbeit an Innovationen in der Gesamtgemeinde

„Sei getrost und unverzagt, entsetze dich nicht, denn der Herr, dein Gott, ist mit Dir in allem, was Du tun wirst.“ (Josua 1,9) – dieses alttestamentliche Bibelwort war dem Einführungsgottesdienst überschrieben und diente Schumacher als Grundlage für seine Predigt: „Ein solches Wort gibt Kraft. Es schafft von Gott her einen Perspektivwechsel schafft hin zum Neuen, es ist ein Wort, das auf eine Basis verweist, die bleibt, wenn anderes sich als nicht tragfähig erweist, ein Wort, das einen Grund legt, der nicht in mir selber sein kann, sondern allein in Gott, dem Schöpfer und täglichen Bewahrer, von dem allein das Heil kommt, an jedem einzelnen Tag“, gab er seiner neuen Gemeinde mit.

Auch wenn Schumacher das Heimkommen spürbar gut tut, möchte er mit viel Elan auch die anstehenden und notwendigen Veränderungen im Kirchenkreis aktiv gestalten. So arbeitet er zukünftig zusammen mit der deutlich jüngeren Pfarrerin Astrid Brus am Arbeitsfeld Innovationen der Gesamtgemeinde. Wie er in seiner Predigt wissen ließ, werde ihm dieses Bibelwort, dass ihn bereits seit seinem Studium begleitet, erneut die Kraft dafür geben: „Meine Hoffnung ist groß, dass Erfahrung und neue Impulse hier gut zusammenwirken“, sagte Schumacher.

Zuspruch von vielen Kolleg*innen

Im Vorfeld hatte er sich dazu bereits weitere Gedanken gemacht: „Mit emotionalem Druck kann ich umgehen“, fand Schumacher, dass er für den anstehenden Transformationsprozess in der Kirchengemeinde Aachen und das Arbeiten für Menschen, die heute in multiplen Krisen leben, durchaus gewappnet sei. Das habe er in der Eifel nach der verheerenden Hochwasserkatastrophe des Sommers 2021 gebraucht. Das habe er bei seiner Arbeit im krisen- und gewaltgeschüttelten Nahen Osten gebraucht. „Vorurteilsfrei zuhören, die Wahrheit des anderen wahrnehmen, das Verbindende im Konträren sehen, sich an einen Tisch setzen zu können, obwohl beide Seiten Leid erfahren haben – das habe ich gelernt. “ 
Dass Schumacher in eine Zeit der Umbrüche, die viele deutlich spüren werden, in die Gemeinde Aachen komme, machte auch Armin Drack als Vorsitzender des Gesamtpresbyteriums in seinem Grußwort – dem einzigen des Nachmittags – deutlich: „Viele Pfarrer scheiden 2028/29 aus dem Dienst aus. Wir werden von heute 13 auf sechs bis acht Pfarrpersonen zurückgehen. Wir werden, zwangsläufig, noch stärker eine Gemeinde werden.“ 
Dass sich Schumacher bei allem auf seine beiden Kollegen in der „Aachen Süd“ verlassen könne, machte Pfarrerin Monika Schreiber (Emmauskirche) und Pfarrer Martin Obrikat (Auferstehungskirche) mit einem selbstgedichteten, charmanten Lied deutlich: „Drum sagen wir zum Anfang: Bitte sei nicht bang. Denn heute und in Zukunft zieh‘n wir an einem Strang.“
(Text: Von Rauke Xenia Bornefeld)

zuletzt bearbeitet am: