Erfolgserlebnisse Marke Eigenbau

Die zweiwöchigen Ferienspiele in der Aachener Auferstehungskirche sind die längsten im Kirchenkreis - Mit 60 Kindern gehören sie auch zu den größten

Über Holzkohle gebackene Pizza ist ein Erlebnis. Und sie schmeckt noch besser, wenn der Lehmofen selbst gebaut wurde. Zum Abschluss der Ferienspiele an der Auferstehungskirche hat der Ofen seine Feuerprobe mit Bravour bestanden. „So etwas haben wir zum ersten Mal gebaut“, berichten die Brüder Henri und Willi, die mitgeholfen hatten, den Lehm mit den Füßen zu stampfen, das Stroh einzuarbeiten und den Ofen zu formen. Auch wenn dieser statt des geplanten Rundbogens einen Spitzbogen bekam, funktioniert er einwandfrei – davon konnten sich am letzten Tag der Ferienspiele alle Kinder, deren Eltern, Geschwister und Großeltern selbst ein Bild machen. 

Großes Interesse seit Jahrzehnten

Die Ferienspiele der Evangelischen Gemeinde Aachen an der Auferstehungskirche gehören mit 60 teilnehmenden Kindern und zwei Wochen Dauer zu den größten Ferienspielen im Kirchenkreis Aachen. Nach wie vor ist das Interesse am Angebot groß, auch wenn die Anmeldeliste nicht wie in den vergangenen Jahren nur wenige Stunden nach Freischaltung bereits ausgebucht ist, berichtet Pfarrer Martin Obrikat. Bis 9 Uhr konnten die Kinder in den beiden letzten Ferienwochen morgens gebracht werden, das Programm dauerte bis 16 Uhr. 15 Erwachsene und ältere Jugendliche gehörten zum Team, um für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen.

Arbeit mit den eigenen Händen im Fokus

Das Konzept der Ferienspiele hat sich in den vergangenen Jahren nur wenig bis gar nicht geändert. „Die Kinder können bei uns ganz unterschiedliche Erfahrungen machen“, erklärt Martin Obrikat. Sei es handwerklich oder künstlerisch mit den eigenen Händen, bei technischen Experimenten oder kreativen Aufgaben. Gedreht wurde in einer Gruppe auch ein kleiner Film. „Wir wollen aber bewusst keine Handy- und Filmwelten“, führt Martin Obrikat weiter aus. Im Mittelpunkt stehen die Dinge und Aktivitäten, die sonst keinen oder nur wenig Raum im Alltag einnehmen, die mit den eigenen Händen selbst umgesetzt werden können. Hier wurde kein blinkendes Spielzeug aus dem Karton gezogen, nichts war fertig zusammengebaut. Stattdessen wurde - ausgerüstet mit dem richtigen Werkzeug - selbst angepackt, selbst geschaffen. Erfolgserlebnisse Marke Eigenbau sozusagen. 

Von der Teilnehmerin zur Teamerin

Die heute 17-Jährige unterstützt mittlerweile zum dritten Mal das Team der Ferienspiele. Bereits als Kind habe sie später einmal Teamerin werden wollen. Gesagt, getan. „Es ist sehr schön, wenn man tolle Sachen fertigstellt, das macht den Kindern Spaß. Für uns Teamer ist es schon einmal anstrengend, wenn die Kinder so viele Ideen haben, dass wir gar nicht alle einbauen können“, berichtet sie augenzwinkernd von ihrer ehrenamtlichen Arbeit. Zwar gebe es für die beiden Wochen ein Programm, dieses lasse aber immer auch ausreichend Freiraum für die Kreativität und eigene Vorschläge der Kinder.  „Es gab immer etwas Neues, langweilig wurde es nie“, blickt der elfjährige Titus auf die Ferienspiele zurück. Für ihn waren es bereits die dritten, er hat in den vergangenen Tagen auch neue Freundschaften geschlossen.

Fester Teil der kirchlichen Jugendarbeit

„Die Ferienspiele entwickeln immer eine eigene Dynamik. Ganz unterschiedliche Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren müssen aufeinander achten, miteinander klarkommen, miteinander umgehen“, weiß Pfarrer Martin Obrikat. In der guten Atmosphäre der Ferienspiele gelinge spielerisch soziales Lernen. „Ferienspiele sind Teil der kirchlichen Jugendarbeit, auch wenn es erst einmal gar nicht um kirchliche Inhalte geht“, erklärt Obrikat: „Man erlebt diesen Raum, diese Umgebung, diese Menschen, es entstehen viele Kontakte.“ Selbstverständlich gehe es auch darum, Eltern in der Zeit der Schulferien zu entlasten und Kindern eine gute und sinnvolle soziale-kreative Ferienzeit zu schenken.

Große Wertschätzung der Familien

„Wir nehmen dieses Angebot sehr gerne an“, berichtete Vater Thomas Dey. Aufgrund positiver Schilderungen anderer Eltern hätten er und seine Frau ihre beiden Jungs bei den Ferienspielen an der Auferstehungskirche angemeldet. Für den älteren war es bereits das zweite Mal, für den jüngeren Brüder die Premiere. Während die Brüder beschäftigt waren, nutzten die Eltern die „sturmfreie“ Bude, um selbige zu renovieren. Wie wichtig es ist, Eltern eine Unterstützung in den Sommerferien zu bieten, weiß im Fall einer anderen Familie auch Paula Herff aus Geilenkirchen. „Ich bin mit drei Generationen unter einem Dach großgeworden“, sagt die 70-Jährige, die nun als Großmutter ebenfalls im Ferien-Einsatz war und sich selbst ein Bild davon machen wollte, was die jüngste Generation während der Ferienspiele alles gemacht hat. Ein Ergebnis, das sich sehen lassen konnte – und wie im Fall der Pizza auch hervorragend schmeckte. 

Text: Stephan Johnen

zuletzt bearbeitet am: