„Es ist schön, wenn sich die Gemeinde freut, weil jemand Musik macht“

Jakob Lötfering ist neuer C-Kirchenmusiker im Kirchenkreis Aachen - Gemeinden haben hohen Bedarf an Organisten - Ausbildung für Menschen ab 14 Jahren

Für Jakob Lötfering hat sich die Kirchenmusikerausbildung als Nebenamt jetzt schon gelohnt. „Ich darf die Hochzeit eines Freundes an der Orgel begleiten“, erzählt er lachend. „Ich habe schon nach Stücken geguckt.“ 

Das ist natürlich nicht die tiefliegende Motivation des 29-Jährigen gewesen, sich mehrere Jahre auf die Kirchenmusikerausbildung (C-Kurs) vorzubereiten, neben Studium und Promotion viele Stunden Orgel zu üben und sich zusätzlich mit allerlei Theorie zu beschäftigen. „Ich mache seit Kindertagen Musik. Immer als Hobby, wenn auch auf ganz ordentlichem Niveau. Ich wollte aber gern noch einen Abschluss in Musik haben, ohne gleich Musik studieren zu müssen. Da bietet sich die C-Kirchenmusikerausbildung tatsächlich an“, erklärt Lötfering, was ihn tatsächlich angetrieben hat. „Zumindest wenn man recht ordentlich Klavier spielen kann.“

Von der Blockflöte zu “Jugend musiziert” auf dem Klavier

Und das konnte der gebürtige Paderborner, bevor er sich zum Organisten hat ausbilden lassen: „Als Kind habe ich natürlich mit Blockflöte angefangen, bin aber mit neun Jahren zum Klavier gewechselt. Da habe ich auch bei ‚Jugend musiziert‘ gespielt. Mit 13 Jahren habe ich auch noch Bratsche gelernt und später im Orchester gespielt. Nach der Schule war das dann nicht mehr so das Thema. Im Studium habe ich nur für mich gespielt und ein bisschen im Unichor gesungen“, berichtet Lötfering. 

Studium in Dresden, Göttingen und Aachen

Nach dem Abi in der ostwestfälischen Domstadt ging er zunächst nach Dresden, um Physik zu studieren, wechselte später nach Göttingen. In der zweiten Hälfte des Studiums keimte in ihm aber der Wunsch, „doch wieder etwas professioneller Musik zu machen und mehr darüber zu lernen“, wie er erzählt. Er begann also 2020 die C-Kirchenmusikerausbildung, zunächst in der Hannoverschen Landeskirche. Seine akademische Ausbildung führte ihn 2021 nach Aachen. Hier begann er eine Promotion im Fachbereich Maschinenbau an der RWTH Aachen. Das Studium der Kirchenmusik nahm er 2022 wieder auf. Gunther Antensteiner, bis Mai Kantor in Stolberg, unterrichtete Lötfering an der Orgel. Im Juli dieses Jahres legte der Nachwuchs-Organist seine letzte kirchenmusikalische Prüfung in Bonn ab. Nun darf er sich Kirchenmusiker im Nebenamt nennen.

Eigentlich dauert die Ausbildung zum Kirchenmusiker im Nebenamt in der Evangelischen Kirche im Rheinland zweieinhalb Jahre. Nach eigenem Gusto kann man sich in den Schwerpunkten Orgel, Chorleitung, Kinderchorleitung, Posaunenchorleitung oder Popularmusik ausbilden lassen. Auch Kombinationen sind möglich. Im Kirchenmusik-C-Kurs der Kirchenkreise Aachen und Jülich wird Orgel und/oder Chorleitung angeboten. Im Bereich Chorleitung kooperieren die Kirchenkreise mit dem Bistum Aachen. Der praktische Unterricht findet im katholischen C-Kurs unter der Leitung von Diözesankirchenmusikdirektor Michael Hoppe statt.

Musiktheorie und Gehörbildung gehören ebenfalls zum Ausbildungsprogramm. Verpflichtend sind außerdem Wochenend-Seminare in den kirchenkundlichen Fächern Liturgik und Theologische Grundlagen, Hymnologie, Kirchenmusikgeschichte sowie Orgelkunde. Das erworbene Wissen darüber wird in einem ersten mündlichen Prüfungsabschnitt getestet. Orgelspiel oder Chorleitung wird später praktisch geprüft. 

Dem versierten Pianisten Lötfering hat es die Orgel tatsächlich ziemlich angetan: „Orgelspielen macht viel Spaß. Sie ist noch vielseitiger als das Klavier. Und sie ist natürlich lauter und im Klang extrem vielfältig – auch wenn es herausfordernd ist, statt bisher zwei mindestens drei Notensysteme zu lesen.“ Deshalb freut er sich nun darauf, öfter in Gottesdiensten spielen zu können. „In der Ausbildung habe ich nur wenige Gottesdienste begleitet. Ich habe bereits viel Freizeit in die Ausbildung stecken müssen. Aber jetzt habe ich Lust, Gottesdienstvertretungen zu spielen. Natürlich auch um zu trainieren – ich muss noch einige Erfahrung sammeln. Aber es ist auch schön, wenn sich die Gemeinde freut, weil jemand Musik macht.“

Zum Teil nicht genug Organisten für Gottesdienste

Das ist nämlich längst nicht mehr selbstverständlich, wie Kreiskantor Elmar Sauer, der die C-Kirchenmusikerausbildung für die Kirchenkreise Aachen und Jülich organisiert, bestätigt: „Es gibt hohen Bedarf in den Gemeinden. Besonders auffällig ist das bei Orgel-Vertretungsanfragen. Zum Teil konnten Gottesdienste schon nicht mehr mit Kirchenmusikern versorgt werden“, berichtet er aus der jüngsten Vergangenheit. Auch die Nachfrage nach C-Kursen nehme eher ab als zu. „Wir hatten schon einmal 15 Teilnehmer im Kurs. Aktuell sind die Anmeldungen leider sehr stark rückläufig.“ 

Klar – man braucht schon eine gewisse Ausdauer und Hartnäckigkeit, um neben Studium oder Beruf auch noch Orgelspielen zu lernen oder Chorleitung zu trainieren und zudem Wochenendseminare zu besuchen und sich schließlich auf die Prüfung vorzubereiten. „Dafür habe ich mir am Ende doch eine Woche Urlaub genommen und bin jeden Tag üben gegangen“, erzählt Lötfering von einer herausfordernden Prüfungsphase. 

Musikalisches Hochzeitsgeschenk für einen Freund

Dennoch kann er die C-Kirchenmusikerausbildung durchaus empfehlen, „wenn man Spaß hat, Musik zu machen und eine intrinsische Motivation hat zu üben“, sagt er. Ihm habe es die klassische Musik angetan, aber auch wenn man sich eher in anderen Musikstilen zuhause fühlt, sei eine Kirchenmusikausbildung nicht verkehrt. „In der Ausbildung dominiert die Musik aus der Zeit vor 1900, aber danach ist man doch in der Gestaltung sehr frei, auch wenn man sich bei der Auswahl der Choräle mit den Pfarrern und Pfarrerinnen abstimmen muss. Aber Präludium und Postludium, also das Vorspiel und die Musik zum Auszug, legt man selbst fest.“ Allerdings, das betont Lötfering doch: „Ich begleite die Gemeinde, das ist nicht mein Spotlight. Und doch: Um sie nicht zu übertönen, gehört schon eine gewisse Musikalität dazu.“ 

Sein Fazit: „Ich würde es auf jeden Fall wieder machen. Das Orgelspielen hat immer Spaß gemacht und in der Musiktheorie bin ich deutlich weitergekommen. Auch die Musikgeschichte war spannend. Mal sehen – vielleicht gehe ich auch noch in die Chorleitungsausbildung“, sagt der, der sich im Berufsalltag eben nicht mit Musik beschäftigen kann. Und ein ganz besonderes Hochzeitsgeschenk kann er seinem Freund und dessen Braut jetzt auch machen. 

(Text: Rauke Xenia Bornefeld / Ev. Kirchenkreis Aachen)

Info: C-Kurse im Kirchenkreis Aachen

Die C-Kirchenmusikerausbildung in den Kirchenkreisen Aachen und Jülich richtet sich an musikalisch interessierte Menschen, die in der Regel der evangelischen Kirche angehören und mit Kursbeginn mindestens 14 Jahre alt sind. Nötige Vorkenntnisse im Klavierspiel und musikalische Grundkenntnisse werden in einem Einstufungstest geprüft.

Die C-Kurse kosten für Mitglieder der evangelischen Kirche zwischen 70 und 150 Euro im Monat, womit alle Kurs- und Unterrichtskosten abgedeckt sind. Die Evangelische Kirche im Rheinland und die beiden Kirchenkreisen bezuschussen die Teilnahme erheblich. Auch können die Teilnehmenden eine finanzielle Unterstützung bei ihrer Kirchengemeinde beantragen. Für Mitglieder anderer Kirchen, denen die C-Kurse ebenfalls offenstehen, werden etwas höhere Kursgebühren erhoben. 

Fragen beantwortet Elmar Sauer, Kreiskantor im Kirchenkreis Aachen

Mobil 0176-57726111, elmar.sauer@ekir.de

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