Evangelische Kirchen und Gemeindezentren in der Region sollen treibhausgasneutral werden

Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Aachen in Stolberg hatte „Gebäude“ als Schwerpunkt – Letzte reguläre Kreissynode mit Superintendent Hans-Peter Bruckhoff nach 27 Jahren im Amt

Die Evangelische Kirche im Rheinland hat sich zum Ziel gesetzt, alle selbst genutzten Gebäude bis 2035 treibhausgasneutral zu betreiben. Alle Kirchengemeinden, Kirchenkreise und die Landeskirche selbst sind nun verpflichtet, ihren Gebäudebestand zu analysieren und bis 2027 eine Gebäudebedarfsplanung zu erstellen. Dies betrifft auch den Evangelischen Kirchenkreis Aachen und seine neun Gemeinden – von Baesweiler im Nordkreis bis Blankenheim in der Eifel.
Um die Kirchengemeinden darüber umfassend zu informieren und gemeinsam wichtige Beschlüsse zu fassen wie Analyse und Planung ablaufen sollen, hat der Kirchenkreis Aachen das Thema „Gebäude“ jetzt zum Schwerpunkt seiner Kreissynode gemacht. Das ist eine jährliche Tagung von mehr als 100 Delegierten aus allen Kirchengemeinden und Einrichtungen im Kirchenkreis. Sie fand am Freitagnachmittag und Samstag (3./4. November) im Ökumenischen Gemeindezentrum Frankental in Stolberg statt.

Derzeit 38 evangelische Kirchen im Kirchenkreis Aachen

In den evangelischen Kirchengemeinden im Kirchenkreis Aachen gibt es 38 Kirchen. Davon sind zwei aktuell nicht nutzbar (in Schleiden und in Gemünd), da dort die Flutschäden noch nicht behoben sind. Vier weitere sind bereits entwidmet, allerdings als Gebäude noch im Besitz der Gemeinden (in Setterich, Siersdorf, Alsdorf-Ofden und Harperscheid). Weitere bekannte Gebäude der evangelischen Kirche in der Region sind zum Beispiel die Familienbildungsstätte Aachen im Martin-Luther-Haus in der Stadtmitte, das „Haus der Evangelischen Kirche“ als Sitz der Verwaltung und Veranstaltungsort sowie das Jugendgästehaus Monschau.

Die Vogelsangkirche aus dem Jahr 1648 gilt als älteste lutherische Kirche im Raum Aachen. In einer Urkunde aus dem Jahr 1648 wird sie die »Zuflucht der Trostlosen und Mutterkirche der Verfolgten« genannt. Die neuste evangelische Kirche im Kirchenkreis ist die Genezareth-Kirche an der Vaalser Straße im Aachener Westen. Sie wurde 2018 eröffnet und bietet viel Raum auch für kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte und Ausstellungen.

Gebäudeanalyse für alle kirchlichen Gebäude wurde beschlossen

Alle evangelischen Kirchen und alle anderen kirchlichen Gebäude im Kirchenkreis Aachen – insgesamt 152 – sollen nun in einer Datenbank in einheitlicher Form erfasst und softwaretechnisch analysiert werden. Diese Gebäudeanalyse stellt den Ist-Zustand der Gebäude fest mit Betriebskosten, Instandhaltungskosten und Kosten für die Klima-Sanierung. In einem zweiten Schritt folgt dann die Gebäudebedarfsplanung. Sie setzt den festgestellten Zustand der Gebäude mit der langfristigen Finanzplanung der Kirchengemeinden, deren Gemeindekonzeptionen und den dazu nötigen Räumlichkeiten in Beziehung. Die Kreissynode beschloss, mit den Dienstleistungen für die Gebäudebedarfsanalyse die Bauabteilung des Evangelischen Verwaltungsverbandes Mettmann-Niederberg zu beauftragen. Dieser Verband stellt ein Software-Tool zur Verfügung, mit dem in einer Datenbank alle nötigen Angaben erfasst werden und verschiedene Planungen simuliert werden können. Verwaltungsleiter Thomas Gietz sowie Anne Backhaus und Martin Langer stellten die Software und ihre Möglichkeiten sowohl im Plenum als auch in einer Arbeitsgruppe vor.

Der Weg ist freigemacht für die Zukunftsplanung

„Auf der Kreissynode haben wir die nötigen Beschlüsse gefasst, um diesen mehrjährigen Prozess gemeinsam angehen zu können“, sagt Britta Rosen aus der Lydia-Gemeinde Herzogenrath, die Vorsitzende des synodalen Bau-Ausschusses. Sie war eine der Organisatorinnen des Schwerpunkt-Themas „Gebäude“. „Ich freue mich, dass wir uns nun für einen Dienstleister und eine Software für die Gebäudeanalyse entschieden haben. Wenn bald alle Daten vorliegen, ist der Weg freigemacht für die Zukunftsplanungen in den Gemeinden und im Kirchenkreis.“ Die Delegierten auf der Kreissynode – sowohl Pfarrpersonen als auch Ehrenamtliche – konnten sich auf der Tagung unter anderem über die Gebäude der anderen Gemeinden informieren, beispielhafte Immobilien-Entwicklungsprojekte der rheinischen Landeskirche und landeskirchliche Beratungsangebote kennenlernen.

Reduzierung des Treibhausgas-Ausstoßes ist unausweichlich

Auch wenn der Beschluss bis 2035 treibhausgasneutral zu werden sehr viel Aufwand und Kosten verursacht, sei er unausweichlich, sagte Superintendent Hans-Peter Bruckhoff. „Die Zukunft unserer Kinder und Enkel darf nicht durch unsere Unterlassungen noch weiter eingeschränkt werden“, meint er. „Deshalb ist es richtig und wichtig, dass wir als evangelische Kirche so viel wie möglich dazu beitragen, den Klimawandel abzuschwächen.“ Allerdings, so Bruckhoff, müssten manche Aspekte des Beschlusses der Landessynode zur Treibhausgasneutralität noch konkretisiert und ausgearbeitet werden. Deshalb formulierte die Kreissynode zwei weitere Beschlüsse, die sie in die Landessynode im nächsten Januar einbringen möchte: einen zum Umgang mit alten, denkmalgeschützten Kirchen und einen über Kompensationsmöglichkeiten für die Verursachung von CO2.

Nachfolger oder Nachfolgerin für Superintendent Bruckhoff wird im Juni 2024 gewählt

„Den ersten Schritt haben wir jetzt gemacht, aber wir werden dieses Thema fortschreiben über die nächsten Jahre und die zukünftigen Kreissynoden, bis 2027 und auch darüber hinaus“, sagte Bruckhoff. Er selbst wird dann allerdings in dieser Sache nicht mehr tätig sein, denn die Tagung in Stolberg war nach 27 im Amt seine letzte „ordentliche“ Kreissynode als Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Aachen. Im Alter von dann 66 Jahren geht er im September 2024 in den Ruhestand. Die Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger hat bereits begonnen.

(Text: Kirchenkreis Aachen / Caren Braun)