Für Pfarrerin Swantje Eibach-Danzeglocke von der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) Aachen ist ihre Begleitung der Ehrenamtlichen vor allem "ein Hebammenjob: anfangs unterstützen wir, aber dann läuft es von allein und die Studierenden organisieren alles selbst: Finanzierung, Kontakte, Weiterbildungen“.
Jubiläum des studentischen Besuchsdienstes in Pflegeheimen

Foto: Juliane Siekmann
Die Gespräche laufen immer auf Augenhöhe ab. Manchmal auch wörtlich.
Seit zehn Jahren in Aachen
Und das erfolgreich seit zehn Jahren: Der Studentische Besuchsdienst, kurz Stubdi, feiert am 26. Oktober, dass 2014 nach Münsteraner Vorbild diese Initiative auch in Aachen ins Leben gerufen wurde. Die Idee: Junge Menschen bringen Abwechslung in den Alltag alter Menschen. Vom regelmäßigen Treffen einer „Patenoma“ oder (seltener) eines „Patenopas“ über Gruppenbegleitung bei kleineren Einkäufen oder Spaziergängen bis hin zu offenen Spieleabenden oder gemeinsamen Mahlzeiten, bei denen es auch mal zu längeren Gesprächen kommt.
Angedockt an die ESG unterstützen die Aktiven derzeit drei Seniorenheime in Aachen mit ganz unterschiedlichen Angeboten und Aktionen. So wie im Haus Hörn den monatlichen Seniorennachmittag mit Kaffee und Kuchen: Drei Studentinnen helfen schon vorab beim Eindecken der Tische, begrüßen herzlich die eintreffenden Gäste und verteilen schon mal ein Glas Wasser, bevor das Programm losgeht.

Foto: Juliane Siekmann
An diesem Tag geben Susanne Hoenen, die selbst in der Anlage wohnt, und ihre Freundin Dorothee Brand aus der Nachbarschaft mit Altflöte und Gitarre ein kleines Konzert; zunächst nur instrumental, später mit bekannten Volksliedern zum Mitsingen.

Foto: Juliane Siekmann
Und schon nach kurzer Zeit wippt hier ein Fuß, wiegt da ein Kopf, dirigiert eine Hand – die Musik berührt die Gäste, weckt Erinnerungen und holt tief vergrabene Verse aus dem Gedächtnis.

Katharina Fischer, Carla Angerhausen und Sarah Glashörster (von links) sind sich einig: Die Arbeit mit den Senioren gibt ihnen auch viel.
Unterschiedliche Motive - ein Ziel
Anschließend gibt es Kaffee und Kuchen. Auch da sind Katharina Fischer, Carla Angerhausen und Sarah Glashörster im Einsatz, schenken Kaffee aus, verteilen Kuchen und setzen sich anschließend dazu, um mit dem einen oder der anderen zu plaudern. Sie haben keine Berührungsängste, hören empathisch zu und gehen auf Neckereien ein – die Atmosphäre ist entspannt und gelöst.
Warum engagieren sich eine Masch‘bauerin, eine Medizin-Studentin und eine angehende Wirtschaftsingenieurin, Fachrichtung Elektrotechnik, im Pflegeheim? Die Motive sind ganz unterschiedlich: Carla vermisste beim Studium in der fremden Stadt ihre Oma, für Sarah war ehrenamtliches Engagement schon im Elternhaus selbstverständlich, und Katharina wollte sich sozial engagieren und sich selbst ein Bild machen, weil ihre Großmutter ins Heim sollte. Doch sollte man die Aufgabe nicht unterschätzen – nicht alle kommen gut mit alten Menschen zurecht, der Umgang mit Demenzerkrankten kann eine besondere Herausforderung sein. Und auch die Endlichkeit der Beziehung wird irgendwann zum Thema.
Begleitung in schwierigen Situationen
Gerade bei 1:1-Kontakten ist nach einem Todesfall dann Pfarrerin Eibach-Danzeglocke als Seelsorgerin gefragt, dann begleitet sie die Studentinnen und Studenten und steht für Gespräche zur Verfügung. Doch jetzt wird erst einmal das zehnjährige Bestehen gefeiert – mit den derzeit Aktiven, vielen Ehemaligen und Kontakten aus den Seniorenheimen. Auch die Stadt Aachen würdigt den Einsatz und wird in Person einer Bürgermeisterin Grußworte überbringen.
Text: Juliane Siekmann

