Was bedeuten die aktuellen Kürzungspläne des Landes NRW und des Bundes für die soziale Arbeit vor Ort, insbesondere für die Beratungsinfrastruktur? Welche Auswirkungen können die Kürzungen auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt vor Ort in Aachen haben? Diese und andere Fragen besprechen wir mit Heike Keßler-Wiertz, Vorstand Diakonisches Werk im Kirchenkreis Aachen e.V.
82.943.509 Euro weniger. Frau Keßler-Wiertz, was bedeuten diese Einsparungen für Ihre Arbeit vor Ort?
Heike Keßler-Wiertz Wir haben als Landesarbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände eine Broschüre erstellt: Jetzt können wir sehen, welche Auswirkungen diese Kürzungen auf die einzelnen Bereiche unserer Arbeit haben. Was direkt auffällt: Im Bereich "Migration, Flucht und Integration" fallen die Kürzungen am massivsten aus. 22,7 Millionen Euro weniger sollen diesem Bereich zur Verfügung stehen. In der Arbeit mit Menschen mit Behinderungen fallen 6,7 Millionen Euro weg, im Bereich "Alter und Pflege" sind es 12,7 Millionen Euro. Auch für die Armutsbekämpfung, und damit für die Menschen in Arbeitslosigkeit sollen 2,6 Millionen Euro weniger ausgegeben werden. Die Liste ist lang, alle Bereiche sind betroffen.
Hatten Sie diese Kürzungen in Aachen erwartet?
Heike Keßler-Wiertz Wir wussten, dass es zu weiteren Kürzungen kommen wird. Und wir haben in der Städteregion Aachen schon im vergangenen Jahr das Gespräch mit Partnern in der Wohlfahrtspflege und mit Politikern der Kommunen und überregional gesucht. Es gab ein Turmgespräch, in dem wir über mögliche Konsequenzen von weiteren Kürzungen gesprochen haben. Aber diese Dimension der Kürzungen, die konnten wir nicht voraussehen.



