In Summe endeten am Sonntag 50 Jahre Pfarrdienst in der Evangelischen Trinitatis-Kirchengemeinde Schleidener Tal - offiziell begangen in einem festlichen Abschiedsgottesdienst, in dem Pfarrerin Heike Hirt entpflichtet und gemeinsam mit ihrem Kollegen Pfarrer Hans-Peter Bruckhoff in den Ruhestand verabschiedet wurde.
Nicht nur die Wüste ist ein Ort der Gottesbegegnung

Foto: Juliane Siekmann
Synodalassessor Pfarrer Martin Obrikat würdigte vor der Entpflichtung die wertvolle Arbeit von Hirt und Bruckhoff.
Ganz unterschiedliche berufliche Wege
39 Jahre davon entfallen auf Bruckhoff, der zunächst als Hilfsprediger, dann als junger Pfarrer in der damals noch selbständigen Gemeinde Gemünd anfing, 11 Jahre steuert Heike Hirt bei, die nach beruflichen Stationen als Klinikseelsorgerin auf der Kinderonkologie und Aachener Gemeindepfarrerin in der Arche seit 2013 in der Trinitatisgemeinde aktiv war.
50 Berufsjahre bedeuten Raum für vielfältige Begegnungen mit Menschen, beruflich und privat, bei fröhlichen Anlässen und in traurigen Momenten. Dies machte auch Synodalassessor Pfarrer Martin Obrikat deutlich, der vor der Entpflichtung mit einigen persönlichen Worten auch seine fast 25 Jahre enge Zusammenarbeit mit beiden Revue passieren ließ. Denn seit 1998 war Heike Hirt als Skriba im Kreissynodalvorstand, Obrikat stieß im Jahr 2000 als Assessor hinzu. Wöchentlicher Austausch auf vertrauensvoller Basis der beiden Stellvertretungen mit dem Superintendenten prägten so viele Dienstjahre.
Aus vier Pfarrpersonen werden zwei

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Pfarrer Oliver Joswig, der zukünftig eine volle Stelle in der Trinitatisgemeinde innehaben wird, teilte sich die Liturgie des Gottesdienstes...

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... mit Pfarrer Christoph Ude, dessen Pfarrstelle zukünftig keine kirchenkreisliche, sondern eine gemeindeeigene ist.

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Vollbesetzt war die Hellenthaler Kirche beim Verabschiedungsgottesdienst.

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Der Gospelchor Masithi Amen unter der Leitung von Anja Bäcker bereicherte den Gottesdienst mit schwungvollen Melodien.
Gemeinsame Predigt über Psalm 63
Vor der Entpflichtung teilten sich Hirt und Bruckhoff die Predigt über Psalm 63, “ein Psalm Davids, als er in der Wüste Juda war.” Pfarrerin Hirt führte in die Bedeutung der Psalmen als “Schwarzbrot für die Seele - schwer zu kauen, aber sättigend und nährend” ein und wies auf die Überschrift hin: Die Wüste sei einerseits ein unwirtlicher und menschenfeindlicher Ort, andererseits aber auch ein Ort der Gottesbegegnung - vielleicht sogar gerade in dieser existenziellen Not und Bedrohung.
Bruckhoff untersuchte genauer den Vers “Denn deine Güte ist besser als Leben; meine Lippen preisen dich”. Das hebräische Wort, das im Deutschen mit Güte übersetzt wird, habe im Ursprung noch eine vielfältigere Bedeutung: Beziehung, Gnade, Barmherzigkeit, Mitgefühl. “Gottes Güte macht mich lebendig, in guten und in schlechten Zeiten". Gerade in schlechten Zeiten - und ein Blick auf die aktuellen Nachrichten und Ereignisse könne einen schon verzagen lassen. “Doch wenn wir erst anfangen zu loben, wenn alles gut ist, dann verpassen wir den Anfang”. Auch ein zögerliches Lob - (zunächst) mit den Lippen, vielleicht (noch) nicht mit vollem Herzen - habe seine Berechtigung, “denn wir haben die befreiende Gewissheit, dass wir in der Not nicht allein sind”.

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Die Predigt über Psalm 63 teilten sich Pfarrerin Heike Hirt...

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... und Pfarrer i.R. Hans-Peter Bruckhoff.
Den dritten Vers “So schaue ich aus nach dir in deinem Heiligtum, wollte gerne sehen deine Macht und Herrlichkeit” sieht Heike Hirt unter zwei Gesichtspunkten: Gott im Tempel, in der Kirche, also in der Gemeinschaft zu suchen, sei richtig und wichtig, ein erster Schritt heraus aus Einsamkeit und Ohnmacht. Doch Macht und Herrlichkeit zu erwarten, sei ein Irrweg: “Denn Gott offenbart sich im Kreuz und durchkreuzt damit die Wünsche des Menschen nach einer Allmacht, die schnelle Lösungen bietet”.
Verstörend könnten die letzten Verse des Psalms wirken, die von Rachegedanken und Gewalt erzählen, so Hans-Peter Bruckhoff. Doch gebe es nun einmal diese Gefühle und es sei ehrlich, sie auszusprechen. Ein Verschweigen, ein In-sich-hinein-Fressen sei keine Lösung: “Erst da, wo wir unseren Zorn und unsere Wut rechtzeitig(!) teilen und darüber sprechen, werden andere Lösungswege möglich.”
Entpflichtung, Verabschiedung und Segen

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Zunächst entpflichtete Synodalassessor Martin Obrikat Pfarrerin Heike Hirt von ihrem Dienst. Dann verabschiedete er beide in den Ruhestand.

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Anschließend sprachen zahlreiche Wegbegleiter*innen ein Votum für beide aus. Manche, wie hier die neue Superintendentin Verena Jantzen, segneten die beiden.

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Auch der frühere Kollege Pfarrer Erik Schumacher wünschte den beiden alles Gute.
Viel Raum für Wertschätzung und Dankbarkeit
In den zahlreichen Voten während des Gottesdienstes und auch in den Grußworten und Danksagungen während des anschließenden Empfangs wurde deutlich, auf wie viele Menschen Heike Hirt und Hans-Peter Bruckhoff mit seelsorgerlichem und menschlichem Rat, mit gemeinsamen Aushalten oder Vorangehen, mit dem richtigen Wort zur richtigen Zeit, mit Herz und Hand gewirkt und sich in den Dienst Gottes gestellt haben. So zeigte sich der Geschäftsführer der Stiftung Evangelisches Alten- und Pflegeheim Gemünd (EvA), Malte Duisberg, überzeugt: “Die Jahreslosung für 2024 wurde auf das Jahr Eures Abschieds aus dem Berufsleben gewählt, weil sie genau Euer Handeln in all dieser Zeit beschreibt: ”Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe".
Text: Juliane Siekmann
Weitere Eindrücke vom anschließenden Empfang

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Pfarrerin Susanne Salentin von der Nachbargemeinde Roggendorf (rechts) schenkte den beiden Neu-Ruheständlern Sonnenlichter zur Erleuchtung...

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... und überraschte die beiden bleibenden Kollegen Christoph Ude und Oliver Joswig (von links) ebenfalls mit einer (er)leuchtenden Aufmerksamkeit.

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Der Blick verrät es: Mit ihrem Abschiedsgeschenk für Hans-Peter Bruckhoff - ein Modelleisenbahn-Starterset - lag die Trinitatisgemeinde nicht ganz falsch.

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Auch Heike Hirts Vorliebe für kleine italienische Autos wurde gewürdigt - und mindestens eines der sieben Enkelkinder wird bestimmt gern mitbauen.

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Malte Duisberg, Geschäftsführer des Seniorenheims EvA in Gemünd, bedachte beide Alltagshelden mit Survivalpaketen für den Ruhestand.

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Auch die neue Superintendentin Verena Jantzen (ganz rechts) sprach beiden ihre guten Wünsche für den neuen Lebensabschnitt aus.

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Das Schlusswort gehörte den beiden jüngeren Schwestern von Heike Hirt, die mit launigen Anekdoten aus der gemeinsamen Kindheit und Jugend für manches Schmunzeln sorgten.

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Das allerletzte (offizielle) Wort an diesem Abend aber hatten die beiden Hauptpersonen. Wann genau bei den zahlreichen Umarmungen die Brille des Superintendenten in Ruhe einen Bügel verlor, war nicht zu recherchieren. Wir vermuten aber sehr, dass es das einzige war, was an diesem Tag in die Brüche ging.

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Wie Ehefrau Hanna Bruckhoff blicken nun beide mit einer Menge Erinnerungen unterm Arm in Richtung neue Lebensphase.

