Die Trinitatisgemeinde Schleidener Tal hat es vorgemacht, die Kirchengemeinde Roggendorf zog nach: Mitte Juni wurden an der Erftquelle in Holzmülheim acht Kinder aus sieben Familien in dem Wasser des Flusses getauft. Das im vergangenen Jahr neu gestaltete Areal entpuppte sich als idealer Ort für den Freiluftgottesdienst, denn während das Wasser der Erft nur wenige Zentimeter hoch war, konnten die Angehörigen vom nahen Hügel aus wie von einer Tribüne die Segnung verfolgen.
Spüren, wie Gott seinen Segen ausgießt
Nervosität legte sich schnell
Auch wenn die Taufen in fließendem Wasser nicht mehr ganz neu für die Protestanten im Südkreis Euskirchen sind, war die Nervosität bei den Pfarrern Susanne Salentin und Thorsten Schmitt doch spürbar. Schließlich blickten nicht nur die erwartungsvollen Familien der Täuflinge auf sie, sondern auch ein Kamerateam des WDR, das die Freilufttaufe aufzeichnete. Eigene Erfahrungen konnte Pfarrer Schmitt aufweisen. „Ich komme von den Baptisten und bin mit 16 Jahren getauft worden“, berichtete. Damals sei er komplett untergetaucht worden – was an der Erftquelle allerdings nicht möglich sei, wie er lächelnd hinzufügte. Die Bedeutung des Wassers für die Taufe werden bei so einer Zeremonie besonders deutlich.

Foto: Stephan Everling
Die Nervosität des Anfangs legte sich schnell bei Pfarrer Thorsten Schmitt und Pfarrerin Susanne Salentin.
Schon etwas besonderes
Was die Eltern der Kinder, die an diesem Nachmittag mit ihrer Taufe in die Gemeinde aufgenommen werden sollten, ähnlich sahen. „Die Botschaft ist schön, so direkt in der Natur“, sagte Maria Poth, Mutter des kleinen Finn. Das ihr Sohn getauft werden sollte, sei klar gewesen. Bei einem Gespräch habe Pfarrer Schmitt von der Freilufttaufe berichtet, und da sei die Entscheidung schnell gefallen. „Es ist schon besonders“, sagte sie.
Was die Paten auch so sahen. „Wir lassen uns überraschen“, sagte Christina Poth, Tante des Täuflings. „Ich fand es eine lockere Sache, das draußen zu machen“, fügte Marc-André Virnich hinzu. Für ihn ein besonders sinniger Ort, da er bei einem Wasserversorger arbeitet. „Das ist frisches Quellwasser“, betonte er und zeigte auf die aus dem Berg sprudelnde Flüssigkeit.

Foto: Stephan Everling
Auf dem Steg, der über die Erft führt, hatten die Pfarrer Salentin und Schmitt den Altar aufgebaut.
Mit der Handpuppe „Mattes“ verdeutlichten sie für die Kinder, was die Taufe mit Wasser zu tun hat. „Wasser ist wichtig für das Leben, denn ohne Wasser gibt es nichts“, sagte Salentin. Genauso wichtig seien Gott und seine Liebe für unser Leben.
Erste Taufen hätten damals bereits an Flüssen stattgefunden, berichtete sie aus Bibeltexten. So berichte die Bibel, wie der Finanzminister aus Äthiopien sich vor 2000 Jahren von Philippus taufen gelassen habe. Jesus habe, so stehe es im Matthäus-Evangelium, seine Anhänger aufgefordert, sich taufen zu lassen, so Schmitt. Das Wasser spende nicht nur Leben und lösche den Durst, sondern könne auch vernichten, betonte Salentin – eine wichtige Erinnerung angesichts der Schäden, die die Erft bei der Flutkatastrophe 2021 in Holzmülheim angerichtet hatte.

Foto: Sabine Sommer
Nach der Taufe wurden von den Familien die Taufkerzen angezündet.
Die Geschwister Lotta und Emil, Adrian, Luna Kathrin, Finn, Johanna, Kiril und Seline wurden an diesem Samstagnachmittag getauft. Abwechselnd stiegen die Pfarrer mit den Familien und den Täuflingen in das Wasser, verlasen den Taufspruch, benetzten den Kopf mit Wasser und sprachen gemeinsam mit den Eltern und den Paten einen Segen. Dann konnten die Familien ihre Taufkerze anzünden. Mit Gummistiefeln bewaffnet gingen die meisten Eltern und Paten in das Wasser, nur die ganz mutigen gingen mit nackten Füßen. Auf Sandalen unter dem Talar ging Pfarrerin Salentin – ein ungewohntes Gefühl, wie sie gestand. Doch das nur vier Grad kalte Wasser sei nicht unangenehm gewesen, sondern eher wie bei einer Kneippanwendung. „Ich habe jetzt ganz warme Füße“, sagte sie. Sie habe sich ganz auf die Täuflinge und die Zeremonie konzentriert, berichtete sie.
„Ich fand es klasse“, sagte Schmitt. Er finde es gut, Familien mit Kindern Aufmerksamkeit zu geben. Die Taufe werde bei einer derartigen Feier stärker ins Zentrum gerückt. Die Erfahrung sei bei einer Taufe im fließenden Gewässer anders. Normalerweise sei es nicht möglich, zu sehen, wie Gott seinen Segen ausgieße. „Hier können wir es spüren“, sagte er.
Text: Stephan Everling
Der WDR hat die Taufe einer Familie begleitet und darüber einen Beitrag in der Lokalzeit Aachen gesendet. Der Bericht ist noch bis zum 15. Juni 2028 in der WDR Mediathek anzusehen.

Foto: Stephan Everling
Den Schlusssegen sprachen Susanne Salentin und Thorsten Schmitt gemeinsam.



