Wie Stall und Krippe in Bethlehem

Gemeinsames Adventssingen inmitten der Baustelle der in der Flut beschädigten Schleidener Kirche – Gottesdienste wahrscheinlich ab Frühjar 2026 wieder möglich

Zu einem etwas anderen Adventssingen hatte für den Freitagabend, 19. Dezember, in Schleiden die Evangelische Trinitatiskirchengemeinde Schleidener Tal eingeladen. Denn mit der Kirche in Schleiden, die während der Flut 2021 schwer beschädigt worden war, hatten die Verantwortlichen sich einen emotionsbeladenen Ort ausgesucht. Seit mehr als vier Jahren müssen die Protestanten in der ehemaligen Kreisstadt auf ihre gewohnte Kirche verzichten, und noch immer ist sie eine Baustelle. So hatte der Ort auch etwas von einem Notbehelf und erinnerte damit auch an den Stall und die Krippe in Bethlehem. 

Aufgrund der Wetterlage war das Treffen, das eigentlich vor dem Haupteingang stattfinden sollte, kurzerhand in das Kircheninnere verlegt worden. „Nachdem wir endlich den Lichtschalter gefunden hatten“, wie Pfarrer Oliver Joswig mit einem Augenzwinkern verriet, da eine zusätzliche Sicherung zuerst die Weiterleitung des Stroms verhindert hatte. „Die Wände sind bereits fertig“, sagte er. Auch Boden und Elektrik seien mittlerweile fertiggestellt. Doch Altar, Kanzel und Orgel, die bislang noch eingehaust sind, müssten noch in Angriff genommen werden, was aller Voraussicht nach im Februar geschehen werde. Dann könne „um Ostern herum“ eventuell wieder der Betrieb aufgenommen werden. 

Gemeinsames Singen gut besucht

Rund 80 Schleidener waren gekommen, um die Gelegenheit zu nutzen, einen Blick in das Kircheninnere zu werfen. Mit Weihnachtsliedern und -geschichten, die Joswig las, war die halbe Stunde gestaltet, zu der die Menschen zusammengekommen waren. „Alle Jahre wieder“ und „Leise rieselt der Schnee“ wurden gesungen, bevor es in den geselligen Teil überging, und die Besucher den Fortschritt der Arbeiten in Augenschein nehmen konnten. 

„Es berührt mich, dass nach 4 ½ Jahren wieder Gottesdienste möglich werden“, sagte er. Vor allem bei Beerdigungen werde es angenehmer werden, da zur Zeit die Trauerfeiern auf dem Friedhof an der Kirche unter freiem Himmel stattfinden würden, was nicht bei jedem Wetter angenehm sei. „Es ist eine schöne Vorstellung, diesen Raum wieder zu nutzen“, sagte er. 

Ein Stückchen mehr Normalität

Offiziell eröffnet werden solle die Kirche aber erst 2027, wenn die Trinitatis-Kirchengemeinde ihr 20. Jubiläum feiern werde. In der Gemünder Kirche, die ebenfalls durch die Flut schwer beschädigt wurde, werde die Fertigstellung noch etwas dauern, denn, wie sich dort herausgestellt habe, müsse dort der Boden entfernt werden, teilte der Pfarrer mit.  

Und, wie Joswig ankündigte, solle im Januar auch die Turmuhr wieder in Betrieb gehen, die seit der Flutnacht vom 14. Juli 2021 die Erinnerung an den Augenblick festhält, als um 21.45 Uhr der Strom ausfiel. Ein Stückchen mehr Normalität wird das dann wieder sein, doch damit wird auch ein kleines Stück mahnendes Gedenken verschwinden. 

(Text: Stephan Everling)

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