Superintendent Bruckhoff: Roggendorfer Probleme sind "gute Probleme"
Zweitägige Visitation würdigt Arbeit der Kirchengemeinde - Mögliche Schließung der Roggendorfer Kirche bestimmendes Thema der Gemeindeversammlung
In einem zweitägigen Besuch in der Evangelischen Kirchengemeinde Roggendorf haben die Mitglieder des Kreissynodalvorstandes sich am vergangenen Wochenende über die dortige Arbeit, das Gemeindeleben, aktuelle Probleme und Zukunftspläne informiert. Auf dem Programm standen unter anderem gemeinsame Arbeitsgruppensitzungen zu Themenschwerpunkten, eine Presbyteriumssitzung, Gottesdienste in Roggendorf und Blankenheim sowie eine Gemeindeversammlung. Bestimmendes Thema der Versammlung war die mögliche Schließung der Kirche in Roggendorf zugunsten der Erweiterung des Gemeindezentrums Mechernich um einen Sakralraum und zusätzliche Gruppenräume.
Superintendent Hans-Peter Bruckhoff äußerte in diesem Zusammenhang seine Freude über das außergewöhnlich rege Gemeindeleben in der größten Flächengemeinde des Evangelischen Kirchenkreises Aachen und sagte: "Eigentlich sind Ihre Probleme 'gute' Probleme, weil das Haus zu eng ist. Dass Ihr Dietrich-Bonhoeffer-Haus mit den vielen Gruppen und Kreisen und der sehr aktiven Kinder- und Jugendarbeit aus allen Nähten platzt, das ist wirklich wertvoll!"
Zentrum des Gemeindelebens hat sich verlagert
Zuvor hatte Presbyter Günter Kornell erläutert, dass das Zentrum des Gemeindelebens sich deutlich von der alten Roggendorfer Kirche zum modernen Mechernicher Gemeindehaus verlagert habe. In der Gemeinde stehen deshalb Überlegungen im Raum, die Kirche aufzugeben und stattdessen einen größeren Gottesdienstraum am Standort Mechernich zu schaffen, der nicht nur genügend Gottesdienstbesuchern Platz bietet, sondern auch eine sakralere Gestaltung aufweist als der dort bisher genutzte Raum. Zu diesem Schritt rät auch die Landeskirche. Jedoch gibt es in der Gemeinde dazu auch kritische Meinungen, so wie sie bei der Versammlung zum Beispiel die Presbyterinnen Cornelia Karl und Vera Buttler äußerten. "Ich stimme noch mit 'Nein', weil es bisher keine angemessene Alternative gibt", sagte Cornelia Karl. "Ich möchte nicht eine Kirche aufgeben ohne einen zu wissen, welchen Ersatz es gibt." Und Vera Buttler beschrieb wie sie schon als Kind zur Roggendorfer Kirche gelaufen sei, dort auch ihre Konfirmandenzeit verbrachte und später dort getraut wurde. "Ich hänge sehr an dieser Kirche und es macht mir Magenschmerzen, dass sie aufgegeben werden soll", sagte sie. "Trotz meiner emotionalen Bindung an die Kirche Roggendorf sehe ich die Zukunft aber am Standort Mechernich und bin für den Verkauf."
Gute Atmosphäre und konkretes Ergebnis
Superintendent Bruckhoff und die KSV-Mitglieder ermutigten jedoch die Gemeinde, die Zeit zu nutzen und jetzt ihre Zukunft zu gestalten. "Ihr Presbyterium hat offensichtlich in den vergangenen Jahren sehr verantwortlich gehaushaltet", sagte Bruckhoff. "Erarbeiten Sie jetzt einen Beschluss, welches Zuhause Ihre Gemeinde in Zukunft braucht und setzen Sie diesen in den nächsten zwei bis drei Jahren um."
Weitere Themen der Gemeindeversammlung waren auch in den Arbeitsgruppensitzungen am Vortag behandelt worden, darunter die diakonische Arbeit in der Gemeinde sowie das Arbeitsfeld Jugend und Schule. So war ein konkretes Ergebnis der Visitation, dass eine neue Kooperation zwischen der Kirchengemeinde mit den Angeboten der Stiftung Evangelisches Altenheim Gemünd (EVA) entstehen soll.
Mit der Visitation insgesamt äußerte sich Pfarrer Michael Stöhr so auch sehr zufrieden. "Ich finde die Visitation durch die Leitung des Kirchenkreises sehr wichtig", sagte er. "Die Komplexität der Sachlagen in der Gemeinde erfordert einen hohen Grad an Einfühlungsvermögen von den KSV-Mitgliedern, und ich finde, das haben sie geschafft." Pfarrer Stöhr sagte, er erwarte nicht, dass das Leitungsgremium eine Lösung für alle Probleme "aus dem Hut zaubere", aber dass es die Gemeinde ermutige "auf unserem Weg nicht stehen zu bleiben". Auch die Gesprächsatmosphäre sei "gut geschwisterlich" gewesen und "würdigend unserer Arbeit gegenüber".
Gottesdienst mit jugendlichem Schwung aber auch großer Ernsthaftigkeit gestaltet
Der Gemeindeversammlung und den Gesprächen zwischen KSV-Mitgliedern und Pfarrstelleninhabern bzw. KSV und Presbyterium waren am Sonntag Gottesdienste in den Kirchen in Roggendorf und Blankenheim vorausgegangen. Der Roggendorfer Gottesdienst wurde von den Konfirmanden als ihr Vorstellungsgottesdienst selbst gestaltet. Unter dem Thema "Begeisterung" hatten sie bei ihrer Konfi-Fahrt auch Materialien erstellt, die sie in der Kirche präsentierten.
Zum Ende des Gottesdienstes sprachen die Jugendlichen den Anwesenden in Form einer Salbung einen Segen zu. Besonders lobend hob Superintendent Bruckhoff dies danach noch einmal in der Gemeindeversammlung hervor: "Die Konfirmanden, die wir heute Morgen erlebt haben, haben den Gottesdienst und auch die Salbung mit großer Ernsthaftigkeit gestaltet", sagte Bruckhoff. "Sie waren ganz bei der Sache. Solche guten Erfahrungen müssen junge Menschen in einer Kirche machen können, unabhängig davon, in welchem Gebäude sie sich befindet!"













