„Sehr schlicht, unkompliziert und einfach. Genau dafür sind wir da.“

„Einfach heiraten“ in Monschau: Vier Trauungen, neun Segnungen, davon zwei spontan am Nachmittag

„Meine Eltern sind immer für Überraschungen gut“, brachte es Marten Skrok augenzwinkernd auf den Punkt. Geahnt hat er nichts, doch gewundert hat ihn der Entschluss seiner Eltern, recht spontan kirchlich zu heiraten, auch nicht. „Mir wurde gesagt, ich soll mir am 26. Juni nichts vornehmen“, sagt der Student, der extra aus Trier zurück nach Monschau reiste. Auch sein jüngerer Bruder Sebastian, der noch bei den Eltern lebt, hielt dicht. Also fiel Marten beinahe die Kinnlade aus dem Gesicht, als er erfuhr, dass er zu einer Hochzeit anreisen sollte. Im kleinsten Kreis, also nur begleitet von ihren Söhnen, wurden Heiderose und Stefan Skrok am Freitag in der Stadtkirche Monschau von Pfarrer Jens-Peter Bentzin getraut. 

Bereits seit 31 Jahren sind Heiderose (54) und Stefan (55) Skrok ein Paar, bis zur standesamtlichen Eheschließung dauerte es elf Jahre, von überstürzten Entschlüssen kann also bis dato wirklich nicht die Rede sein. Und dennoch ging alles plötzlich recht schnell: „Die Aktion ‚Einfach heiraten‘ hat uns sehr angesprochen. Wir haben es morgens vor dem Frühstück besprochen. Das ist so eine jecke Idee, so eine schöne Idee“, blickte Heiderose Skrok zurück. Die Idee fiel auf fruchtbaren Boden, auch ihr Ehemann sagte Ja. Hatte es bei der standesamtlichen Hochzeit noch geschneit, strahlte nun die Sonne mit dem Brautpaar um die Wette.

Auch spontane Segnungen

„Viele im Freundes- und Familienkreis wissen es noch nicht, die werden vom Stuhl kippen“, mutmaßte Stefan Skrok. Statt einer großen Feier plante die Familie angesichts der Temperaturen eine eher extravagantere Alternative: Mit einer großen Flasche Champagner ging es in den Pool im Garten. Zur Badehose wollte die Jugend aus Respekt vor dem Anlass aber Krawatte tragen! 

Heiderose und Stefan Skrok gehörten am Freitag zu den vier Paaren, sich die kirchlich trauen ließen, sieben weitere Paare hatten sich im Vorfeld zu einer Segnung angemeldet. Ganz spontan hatten sich am späten Freitagnachmittag noch zwei weitere Paare für eine Segnung gemeldet. „Einfach heiraten“ – der Name war Programm.

„Diese Kirche ist ganz nah bei den Menschen. Die Tür ist auf, die Menschen kommen automatisch rein. Wie kaum an einem anderen Ort wird die Idee, niederschwellig direkt bei den Menschen zu sein, sie mit einem geistliche Angebot willkommen zu heißen, hier erlebbar“, sagte Pfarrer Jens-Peter Bentzin. „Einfach heiraten“ – für den Pfarrer ist dies auch „ein Wiederentdecken einer Idee, die immer da war: Wir geben den Segen weiter, den wir genauso geschenkt bekommen haben. Sehr schlicht, sehr rein, unkompliziert und einfach. Genau dafür sind wir da.“ Über Jahrzehnte und Jahrhunderte sei die Kirche nicht unbedingt auf die Menschen zugegangen. „Wir haben versucht zu kontrollieren und zu bestimmen, auch Formen vorzugeben.“ Einfach heiraten bedeute, nah bei den Menschen zu sein, nichts vorgeben und bestimmen zu wollen. 

 

Segen ohne Voraussetzungen

„Wir haben heute ein Paar kirchlich getraut, das seit 40 Jahren standesamtlich verheiratet war. Die beiden waren nur für sich, aber so glücklich, so selig. Und wir waren dabei, das ist ein echtes Geschenk“, berichtete Jens-Peter Bentzin. Ob sich ohne „Einfach heiraten“ alle Menschen getraut hätten, überhaupt nach dieser Möglichkeit zu fragen? „Es geht immer um zwei Menschen, um ihre Liebe, das Vertrauen ineinander, die gemeinsam gemachten Erfahrungen. Wir schreiben nicht vor, wie die Menschen zu leben haben, wir setzen keine Voraussetzungen, den Segen weiterzugeben“, betonte Bentzin.

Feier mit Kindern und Enkelkindern

Kerstin und Michael Pfleging hatten sich am 26. Juni 1981 vor dem Altar das Ja-Wort gegeben. Auf den Tag genau 45 Jahre später erneuerten die beiden den Segen. „Das kann kein Zufall sein, das sollte so sein“, sah Kerstin Pfleging hier ganz deutlich einen Wink des Schicksals, dass der Aktionstag „Einfach heiraten“ auf den Hochzeitstag fiel. Mit allen Kindern und Enkelkindern wurde in der Stadtkirche gefeiert, im Garten der Familie ging es weiter, wo ein großes Planschbecken aufgebaut war. Zur Erinnerung an den 26. Juni 2026 griff Pfarrer Jens-Peter Bentzin zur modernen Ausführung eines Gerätes, das vermutlich auch schon am 26. Juni 1981 zum Einsatz gekommen sein dürfte: Nach einiger Wartezeit hielt das Ehepaar ein Polaroid-Foto in den Händen.

Text: Stephan Johnen

Am 45. Jahrestag ihrer kirchlichen Trauung ließen Kerstin und Michael Pfleging den Segen erneuern.

Am 45. Jahrestag ihrer kirchlichen Trauung ließen Kerstin und Michael Pfleging den Segen erneuern.

Freude beim Brautpaar und der Festgesellschaft.

Freude beim Brautpaar und der Festgesellschaft.

Mann mit Polaroidkamera

Und als Erinnerungsfoto gab es ein Polaroidbild.

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