Kleine Stadt aus Stämmen und Seilen in der Eifel erbaut

1200 Pfadfinder im Bundeslager der CPD in Hellenthal - Aktionen, Spiele und Gemeinschaft noch bis Sonntag

Seit Ende Juli gibt es in der Eifel eine neue kleine Stadt. Die Pfadfinder der Christlichen Pfadfinderschaft Deutschlands (CPD) haben sie aus dem Eifelboden entstehen zu lassen. Denn am 29. Juli begann hier das Bundeslager 2026 des CPD. „Zwischen allen Zeiten“ heißt das Motto, das für das Lager gewählt wurde, das im Vier-Jahres-Rhythmus veranstaltet wird. Rund 1200 Teilnehmende sind in diesem Jahr dabei, denn es ist das größte Zusammenkommen des Pfadfinder-Bundes. Dabei ist Hellenthal eigentlich kein Neuland für die Pfadfinder. Denn bereits im Jahr 2012 machte der CPD auf den Wiesen oberhalb des Wildfreigeheges Hellenthal Station. Damals hieß das Motto „Per Limites – Über Grenzen“. 

Was immer noch zutreffend ist, denn die Pfadfinder von der CPD dehnen ihr Aktionsfeld bis nach Ostbelgien aus. Außerdem findet das Bundeslager Hellenthal streng genommen in der Nachbargemeinde Schleiden statt. Denn die Grenze zwischen den beiden Nachbarkommunen verläuft genau entlang der Zufahrt zum Wildfreigehege. Doch ungeachtet aller verwaltungstechnischen Finessen ist die Wiese, auf der das Lager steht, strategisch optimal gewählt: Direkt an der nordwestlichen Grenze liegt ein Hochbehälter für die Wasserversorgung, während das Abwasser in entgegengesetzter Richtung abgeleitet werden kann. Womit zwei wesentliche Komponenten einer kleinen Stadt mit mehr als 1000 Einwohnern schon einmal gewährleistet sind. 

Vorlager sorgte für Infrastruktur und Großbauten

„Vorlager“ nannte sich der Bautrupp aus mehr als 70 Leuten aus dem ganzen Bundesgebiet, der dafür sorgt, dass die Infrastruktur und die wesentlichen Bauten schon stehen, wenn das Gros der Pfadfinder in der Eifel eintrifft. Rund 1050 Teilnehmer aus 68 Stämmen des CPD haben sich angemeldet. Zeitweise wird das Lager durch Pfadfinder, die nur wenige Tage da sein wollen, aber bis auf knapp 1200 Menschen anwachsen. 

Samuel Zeyher hat gemeinsam mit Konstantin Berencz, genannt „Konto“, und Adele Beneke die Lagerleitung übernommen. Bereits bei vorigen Lagern sei er in den Vorbereitungsteams gewesen, doch zum ersten Mal in der vordersten Linie, sagt er. „Es ist auf jeden Fall eine große Herausforderung“, sagt er. Vor drei Jahren ist er mit seinen Mitstreitern in das Amt gewählt worden und seitdem mit der Organisation des Lagers beschäftigt. „Man hat unheimlich viel Spaß und lernt viele neue Leute kennen“, berichtet er. So ganz sei ihm seine Rolle nicht fremd, denn da er im Berufsleben im Prozessmanagement der IT einer Sparkasse tätig sei, sei es schon ähnlich. 

Hohe Bauten nur aus Stämmen und Seilen

Auch wenn dort andere Werkzeuge zum Einsatz kommen. Hier geht es rustikal zu: Die teilweise mehrere Meter hohen Bauten werden nur aus Stämmen errichtet, die mit Seilen zusammengeknotet werden. Diese Stämme sind im Frühjahr aus dem Hellenthaler Gemeindewald geholt worden. „4000 Stück haben wir hier. Eigentlich hatten es 6000 Stück werden sollen, aber dann muss eben etwas sparsamer gebaut werden“, sagt Thorge Joswig, als Hellenthaler Jung für die Logistik des Lagers zuständig. Die Seitenwände werden aus schwarzen Stoffplanen gebaut, die mit Seilen verbunden werden. In vier Unterlager ist die Zeltstadt gegliedert. Dazu komme noch ein Lager für die Lagerleitung, eines, für das sich Familien anmelden konnten und ein Lager für ältere Pfadfinder, die sich keinem Stamm mehr zugehörig fühlten, erläutert Zeyher. Insgesamt 150 Zelte würden errichtet werden, weiß Joswig. 

Überall auf der Wiese wird in diesen Tagen gebaut. Als Mittelpunkte der Unterlager werden Sitzkreise fest im Boden verankert, auf denen bald die Pfadfinder sitzen sollen. Doch auch die ersten großen Bauten wachsen in die Höhe. Einige Zelte werden größer, denn für den ersten Tag, wenn die Stämme ihre Schlafzelte aufbauen, steht der Baumeisterwettbewerb auf dem Programm, bei dem die schönsten Zelte prämiert werden. 

So knoten beim Besuch des Reportes in der Nähe der Lagerleitung Pfadfinder Holzstangen aneinander. „Das wird ein größeres Schlafzelt mit zwei Schlafbereichen und einem Versammlungsbereich in der Mitte“, beschreibt Luca Krause aus Waiblingen das Projekt. Er habe die Idee gehabt, mal etwas Cooleres zu bauen als eine normale Jurte. „Ich habe einen Bauplan gezeichnet und dann gekonnt zu Hause liegen lassen“, gesteht er grinsend und präsentiert ein Ringbuch, in dem er flott einen Ersatz auf das karierte Papier skizziert hat. „Ein paar Zahlen wusste ich noch, und den Rest habe ich berechnet“, erklärt er.

Als zentrale Versammlungsstätte ist ein großes Rundzelt mit einem wahren Wald aus Stangen im Innenraum aufgestellt worden. Wie alle Bauten werden Seitenwände und Dach aus schwarzen, mit Seilen verwobenen Planen gebildet. Vor allem Holzstangen und Seile kommen bei der Errichtung der Gerüste zum Einsatz. Wo es nötig ist, sichern Schrauben die Konstruktion ab. Rund 200 Seile, jedes sieben Meter lang, seien bei der Konstruktion verbaut worden, erzählt einer aus dem Team. An der Wand hängt ein professioneller Bauplan, der detailliert die Einzelteile zeigt. 

Am anderen Ende der Wiese ist „Käpt’n“ Alexander Wiebe in Aktion und leitet seine Mannschaft an, ein mehrere Meter hohes Tor zu errichten. „Das machen wir, damit unser Unterlager einen schönen Eintritt hat, der ein bisschen Eindruck macht. „Was wir jetzt hier bauen, ist ein Mechanismus wie eine Garage, wo dann wirklich ein Tor herunterkommt“, erläutert er. 

Zehn Tage lang verschiedene Herausforderungen

Nicht nur der Baumeisterwettbewerb am ersten Tag erwartet die Teilnehmer. Zehn Tage lang warten Aktionen, Spiele und alle möglichen Herausforderungen auf die jungen Gäste. So steht zum Beispiel der „Lebenswegetag“ auf dem Programm. „Da werden die Teilnehmer in verschiedene Gruppen aufgeteilt, die dann in der Umgebung bis nach Belgien zu verschiedenen gemeinnützigen Projekten gebracht werden“, erläutert Pressesprecher Thilo Meinecke. Dann würden die Pfadfinder zum Beispiel in Alten- oder Tierheimen helfen, aber auch auf Friedhöfen Pflegearbeiten verrichten. 

Zentrale Aktion ist der für zweieinhalb Tage angesetzte „Hajk“, für den die Pfadfinder in etwa 25 Kilometer Entfernung gebracht werden, um von dort nur mit Karte und Kompass den Weg zurück ins Lager zu finden. „Das ist so etwas wie eine Mini-Großfahrt. Wir wollen das zwei Tage erleben und uns auch die Eifel anschauen“, so Zeyher. Gerne würden die Pfadfinder auch unterstützt, indem von den Anwohnern die Wasserflaschen aufgefüllt würden oder eine Scheune als Schlafplatz zur Verfügung gestellt werden könnten.

Spielidee: Zeitreise ins Mittelalter

Einen anderen großen Block im Lagerleben wird die Spielidee einnehmen. Dafür unternimmt das Lager eine Zeitreise in das Jahr 1349. „Wir sind in der Spielidee in der Kaiserstadt, der Krönungsstadt Aachen“, erläutert Matthias „Matthis“ Kampelmann, Leiter des Programmpunkts. Die Edelleute des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, so der Grundgedanke, hätten sich versammelt, um einen neuen Kaiser zu finden und zu krönen. „Im Vorfeld sind bereits Kostüme und Requisiten gemacht worden“, sagt Joswig. Mit einem bunten Markttag und einem Turnier wird das Mittelalter zum Leben erweckt.   

Wenn das Lager am 9. August zu Ende sein wird, folgt das Nachlager, in dem innerhalb einer Woche die Bauten wieder abgeschlagen werden. „Das Holz geht wieder an die Gemeinde, die das für die Pelletheizung von Rathaus und Hauptschule verwenden wird“, so Joswig. 

„In vier Jahren gibt es wieder ein Bundeslager. Dann gibt es ein neues Team, das es leitet“, sagt Zeyher. Ansonsten müsse er sofort wieder in die Planung für das nächste Lager einsteigen. „Man braucht persönlich dann irgendwann ein bisschen mehr Pause davon und wird dann lieber angefragt für eine kleinere Aufgabe“. 

Stichwort: Christliche Pfadfinderschaft Deutschlands (CPD)

Die CPD ist ein evangelischer Pfadfinderbund, der 1976 gegründet. Er hat aktuell rund 125 Stämme und rund 4200 Mitglieder. Die Stämme sind in der Regel an die örtlichen evangelischen Kirchengemeinden angegliedert und Teil der Jugendarbeit. So ist die CPD auch Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland. Das Ziel ist es, junge Menschen zu begleiten, ihnen Raum zu geben, Verantwortung zu übernehmen und Gemeinschaft zu erleben.

(Text: Stephan Everling)

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