06.08.2018

Taizé 2018 – ein Reisebericht (oder wie ich das Unbeschreibbare beschreibe…)

Der "Sound of Taizé" beeindruckte die Jugendgruppe aus dem Kirchenkreis Aachen.(Foto: Oliver Joswig)

Jugendgruppe aus Aachen und der Eifel erlebte intensive Woche in dem französischen Kloster in Burgund

Für mich ist es (erst) das zweite Mal, dass ich eine Woche nach Taizé fahre. In diesem Jahr wusste ich ja schon, auf was ich mich einlasse:
- eine Woche zelten
- eine Woche einfachste Mahlzeiten
- eine Woche drei Gottesdienste am Tag
- eine Woche viiieeel singen
- und und und …
Was sich vielleicht erstmal negativ liest, ist gerade das Gegenteil: Eine intensive Woche zum Runterkommen, nach den übervollen Wochen unmittelbar vor den Sommerferien. Zeit haben sich selber zu erspüren, Zeit haben, biblische Geschichten und Worte in mir nachklingen zu lassen, den „Sound of Taizé“ tagtäglich zu erleben und je länger die Woche geht, Ohrwurm an Ohrwurm bei sich und den Mitfahrenden zu spüren.

Jugendliche aus dem Schleidener Tal und Aachen mit ihren Betreuern in Taizé(Foto: Oliver Joswig)

Der Hügel von Taizé beherbergte 3000 Menschen

Irgendwie um die 3.000 Menschen bevölkerten in der ersten Sommerferienwoche den Hügel von Taizé – darunter auch wir 11 aus dem Schleidener Tal und auch Vertreter der Juki Aachen unter der Leitung von Pia. Man nimmt diese 3.000 Menschen besonders zu den Essenszeiten wahr und, wenn man nicht schon um 6.30 Uhr duschen geht, auch zu den normalen Duschzeiten (also die übrige Zeit). Jede/r findet da im Laufe der Woche den eigenen Rhythmus – bei Jan Wattjes und mir waren es die kalten Duschen um 6.30 Uhr.

Beim Taizé-Twister versucht man, mit dem eigenen Fuß den Fuß des Nachbarn zu berühren.(Foto: Jan Wattjes)

Ein "Urlaub" in Taizé ist ganz besonders

15/16jährige aus Rumänien, England und Deutschland antworteten auf die Frage, warum sie diese Woche Taizé auf sich nehmen, folgendermaßen:
- Ich bin hier im Rahmen meiner Firmvorbereitung.
- Ich wollte eine Woche Teil dieser besonderen Kirchengemeinschaft sein.
- Ich habe mich bewusst für Taizé entschieden, da ich hier einen Abschnitt von Frieden und Ruhe erlebe, gerade im Gegensatz zu dem hektischen und beschäftigten Schulleben.
- Ich wollte diesen „Urlaub“, um meine Sommerferien anders als die anderen zu gestalten und so besondere Erfahrungen machen zu können.

Mit diesem riesigen Staubsauger wird die Kirche jeden Mittag nach dem Gebet gesäubert.(Foto: Oliver Joswig)

Alle wollen wiederkommen

Wer jetzt denkt, dass diese Antworten von „Flower-Power-Kids“ kommen, täuscht sich. Das sind ganz „normale“ Jugendliche aus ganz Europa, die am Ende der Woche sicher waren, wiederzukommen. Fast der benedektinischen Ordensregel „ora et labora“ (bete und arbeite) folgend, ist es gerade die Abwechslung in allen festen Strukturen, die diese Woche so besonders macht. Und da müssen dann auch schon mal Arbeiten wie das Abfegen der Spinnweben unter den Waschbecken erledigt werden. Wenn dann Tausende Jugendliche und Erwachsene dreimal täglich Gottsdienst in einer großen Sprachenvielfalt zusammen feiern, machen viele intensive religiöse Erfahrungen, die keine(n) unberührt lassen.

Beim Spiel "Taizé-Ninja" versucht man, den Nachbarn mit der Hand zu berühren. (Foto: Jan Wattjes)

In Taizé wurde nicht nur gebetet und gearbeitet

Zugleich legen die Jugendlichen beim Besprechen der Bibeltexte großen Ernst an den Tag. Wenn sich die vier Jugendlichen aus England am dritten Tag erstmal bei einem Gespräch über Gerechtigkeit darüber verständigen müssen ob sie Labour oder Conservative sind und für sie nur Labour die richtige Antwort ist und bei der Frage nach dem „Brexit“ man nur in wutverzerrte Gesichter schaut, wird schnell klar, dass diese Treffen in Taizé unheimlich viel zur Völkerverständigung beitragen. Mit einem Mal wird uns „Alten“ klar, wie vieles heute ganz selbstverständlich ist. Wenn Alex aus Rumänien schnell eine Whatsapp-Gruppe einrichtet und man so in Kontakt bleiben kann – und sei es nur wegen der Bilder.

Der neu gestaltete Altarbereich in der Kirche von Taizé(Foto: Oliver Joswig)

Taizé ist ein Ort, an dem sich der heilige Geist frei bewegen kann

Mir ist klar, dass das nicht ein „normaler“ Reisebericht zu Taizé ist, aber kann es auch gar nicht sein. Dazu erwische ich mich in Taizé in manchen Momenten emotional so angefasst, dass diese hier gar nichts zu suchen haben. Und so erlebe ich auch die Jugendlichen. Wenn alles gut geht, war das noch lange nicht mein letzter Besuch auf dem Hügel. In diesem Frühjahr/Sommer wurde/wird der Altarbereich neu gestaltet, nach mehr als einem Jahrzehnt! Das tut Taizé und seiner Idee gut. Frère Alois (der Prior von Taizé) sagte sinngemäß: Unsere Kirche ist kein Museum, sondern ein Ort, an dem der Heilige Geist sich frei bewegen kann! Dem ist nichts hinzuzufügen – außer bis nächstes Jahr in Taizé!

(Text: Pfarrer Oliver Joswig)

Der Spüldienst in Aktion(Foto: Oliver Joswig)
Der Kaffeeautomat in Taizé half beim Munterwerden.(Foto: Oliver Joswig)