Liebe Schwestern und Brüder,

wir sollten in diesen Wochen in großer Ruhe und Freiheit in unserem kirchlichen Leben aus Fürsorge für die Menschen heraus viele Veranstaltungen, Konzerte, Termine, Gruppen und Kreise ausfallen lassen, vertagen und eine Pause einlegen.

Die Fastenzeit war in früheren Jahren eine stille Zeit. In diesem Sinne können wir als Christen diese besondere Situation auch als Herausforderung begreifen, auf lieb gewordene Gewohnheiten zu verzichten und unser Gemeindeleben, unsere  Gruppen und Kreise und alle  persönliche  Kommunikation eine Weile einzuschränken  und zu dosieren. 

Wir bleiben dennoch miteinander verbunden im Gebet und  in unseren  gemeindlichen und kirchlichen Netzwerken mit all den Möglichkeiten der neuen Medien.

Die Fragen, vor die uns der Corona-Virus gemeinsam stellt, gehen sehr weit. Was zählt in unserer Gesellschaft? Welche Verbindlichkeit und Solidarität leben und bewähren wir jetzt im Alltag der kommenden Wochen und Monate?  Orientiert sich unser wirtschaftliches Leben und die Arbeitswelt in dieser Situation entscheidend am Menschen und inwiefern auch an anderen Faktoren und Sachzwängen?  Wie wirkt sich jetzt unser wirtschaftliches Handeln mit globalen Liefer- und Produktionsketten an möglichst billigen Standorten aus?  Welche Folgen hat die radikale Marktorientierung unseres Gesundheitssystems? Das sind alles keine neuen Fragen, ich meine allerdings, sie müssten uns allen in einem neuen Licht erscheinen, und wir sollten ihnen mit größerem Gewicht nachgehen.

Wir alle können in diesem zurückhaltenden und ruhigen Umgang mit der gegenwärtigen Situation persönlich unsere Verantwortung wahrnehmen unseren Beitrag dazu zu leisten, die Welle der Infektionen so zu strecken und zu verlangsamen, dass unser Gesundheitssystem und alle helfenden und versorgenden Berufe weiterhin für die Menschen da sind, die gesundheitlich versorgt werden müssen.

In unseren Gedanken und Gebeten sind wir bei all den Menschen, die in diesen Wochen für das Gemeinwohl unterwegs sind in Krankenhäusern und Altenheimen, in  Kindergärten und Schulen, und an vielen Stellen das öffentliche und gesellschaftliche Leben aufrecht erhalten. Und wir schließen in unser Gebet die besonders betroffenen Menschen ein, für die diese Erkrankung ein höheres gesundheitliches Risiko darstellt.

In diesen Wochen dürfen wir – wie auch sonst in unserem Leben – unterwegs sein mit dem Trost und unter dem Segen des Lebendigen:

Er aber, unser Herr Jesus Christus, und Gott, unser Vater, der uns geliebt und uns einen ewigen Trost gegeben hat und eine gute Hoffnung durch Gnade, der tröste eure Herzen und stärke euch in allem guten Werk und Wort.

                                                                    2. Thessalonicher, 2, 16+17

 

Hans-Peter Bruckhoff
Superintendent

(12. März 2020)