Liebe Schwestern und Brüder,

ich danke Ihnen und Euch für die mutigen und konsequenten Entscheidungen, die in diesen Tagen in unseren Gemeinden und im Kirchenkreis getroffen werden.

Die Dinge entwickeln sich täglich und stündlich neu, die Nachrichten überschlagen sich und die mediale Inszenierung ist nicht immer hilfreich.

Wir stehen in unseren Gemeinden und im Kirchenkreis jeweils neu in der Verantwortung, im Rahmen der gesellschaftlichen und staatlichen Risiko-Einschätzung und Bewertung der Lage die notwendigen Maßnahmen und Entscheidungen zu treffen.

Gleichzeitig ist es unser Auftrag als christliche Gemeinde einander nicht im Stich zu lassen trotz aller jetzt verordneten und gebotenen Einschränkung des gesellschaftlichen, öffentlichen und kirchlichen Lebens und bei aller Reduktion der Sozialkontakte.

Als Christen können wir einander darin ermutigen, einer hektischen und panischen Stimmung mit einem ganz bestimmten Vertrauen und einer gewissen Demut zu begegnen.

Vertrauen können wir immer wieder neu darin finden, dass uns im Leben und im Sterben noch etwas anderes trägt und hält als unser Vermögen und unsere Gesundheit. Wir sind auch in dieser Situation nicht uns selbst überlassen. Dieses Gottvertrauen verbindet sich mit der Demut, in der wir erkennen ohne zu verzweifeln: wir haben unser Leben nicht in der Hand, keiner kann für sich oder seine Lieben eine Garantie geben, unsere Lebensplanungen werden immer wieder durchkreuzt. Das erfahren wir gerade unmittelbar und in einer Wucht, die uns unterschiedlich trifft.

In dieser Situation ist für mich der Aufruf des Paulus orientierend: „Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“ (Galater 6, 2)

Ich finde es ermutigend, welche Ideen sich in dieser Ausnahmesituation unter uns entwickeln. In der Evangelischen Studierendengemeinde sollen beispielsweise Kurzandachten unter freiem Himmel und Weg-Meditationen für die Studierenden angeboten werden. In unseren Leitungsgremien und Gruppen werden wir stärker Telefon- und Videokonferenzen ausprobieren. In der Ev. Trinitatis-Kirchengemeinde Schleidener Tal will ein Team Formate entwickeln, wie wir Gottesdienste und Andachten für unsere Gemeindeglieder ins Internet stellen können. Die Gehörlosengemeinde kennt dies schon durch die Angebote von Dieter Schwirschke.

Das Telefon kommt wieder als entscheidende Kommunikationsmöglichkeit in den Blick für die persönliche Kommunikation und Seelsorge. Hier können wir von der Telefonseelsorge lernen.

Wir können unsere gemeindlichen Netzwerke mit allen Ehrenamtlichen dazu nutzen, diejenigen zu unterstützen, die jetzt besonders betroffen sind.

Bei allem, was nun zu tun und zu tragen ist, bei allen eigenen Gedanken, Stimmungen und Sorgen um Menschen, die uns lieb sind und zu unserem Leben gehören, lasst uns jeden Morgen neu mit der Aufforderung aus Psalm 37, 5 wach werden und in den Tag starten: „Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird`s wohl machen.“ In dem entsprechenden Gesangbuchlied von Paul Gerhardt wird angesichts dessen, was dieser Liederdichter zu tragen hatte, deutlich: in unserem Vertrauen auf Gott geht es nicht um Vertröstung, sondern um die Weisheit und Demut, loslassen zu können und aus der Hand geben zu können, wenn wir alles getan haben, was an uns liegt, weil wir in der Hand eines Anderen gehalten sind.

Ich grüße Sie und Euch herzlich

Hans-Peter Bruckhoff

(15.3.2020)

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Losung für den 1.04.2020:
Ich will mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens.
Jesaja 65,19
Ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.
Johannes 16,22