06.06.2017

Drei Ausstellungen zeigen Reformationsbewegungen im Aachener Raum

Stellten die Ausstellung vor der Eröffnung den Medien vor: Pfarrer Martin Obrikat (Ev. Kirchenkreis), Julia Samp (Centre Charlemagne), Frank Pohle (Leiter der Route Charlemagne), Carmen Roeber (Kuratorin der Ausstellung) und Salvatore die Noia (Bistum Aac
Stellten die Ausstellung vor der Eröffnung den Medien vor (v.l.): Pfarrer Martin Obrikat (Ev. Kirchenkreis), Julia Samp (Centre Charlemagne), Frank Pohle (Leiter der Route Charlemagne), Carmen Roeber (Kuratorin der Ausstellung) und Salvatore die Noia (Bistum Aachen).

Das "Ringen um den rechten Glauben" ist seit 3. Juni im Centre Charlemagne zu sehen - Aachen versuchte "Dritten Weg" konfessionellen Miteinanders

Ein großes Ausstellungsprojekt zum Reformationsjubiläum ist am Freitag im Centre Charlemagne am Aachener Katschhof eröffnet worden: In drei Museen präsententiert die Stadt Aachen gleichzeitig drei Monate lang Exponate zur Entfaltung der Reformation und ihrer Gegenbewegungen sowie der Entwicklung der Konfessionen in der Region Aachen. Die Haupt-Ausstellung mit dem Titel "Das Ringen um den rechten Glauben - Reformation und Konfessionalisierung zwischen Maas und Rhein" ist im Centre Charlemagne zu sehen. Komplementär dazu zeigt das Couven-Museum "Gold und Silber aus den Klösters des Dreiländerecks - Fromme Stiftungen von Bürgertum und Adel". Im Internationalen Zeitungsmuseum können Besucher unter dem Titel "Das Wittenberger Fest" nachvollziehen, wie das Reformationsjubiläum sich in der Vergangenheit im Spiegel der Presse darstellte.

100 kostbare Exponate auch aus evangelischen Kirchen

"Luther war nie in Aachen, wenn überhaupt höchstens einmal auf der Durchreise", sagte Frank Pohle, Leiter der Route Charlemagne Aachen, bei der Präsentation der Ausstellung. "Deshalb wollen wir mit dieser Ausstellung der Frage nachgehen: Was hat die Reformation, was hat das Reformationsjubiläum mit Aachen zu tun?" Die Antwort können die Besucher nun anhand von rund 100 kostbaren Exponaten besichtigen, darunter auch die Bittschrift der Aachener Bürger um die Gewährung der Religionsfreiheit von 1559, Abendmahlsgeräte zum Beispiel aus der Annakirche und der Finkenbergkirche, einen Vaalser Posaunenengel, der vom Kirchturm geschossen wurde und deshalb einen geflickten Arm hat, oder ein evangelisches Memorial, dass ein Aachener Verhandlungsführer zu den Beratungen über den Westfälischen Frieden von 1648 mitnahm.

Dagegen wandte sich Luther: Ein mittelalterlicher Ablassbrief
Dagegen wandte sich Luther: Ein mittelalterlicher Ablassbrief

Aufwändige Ausstellungs-Architektur in Kirchenfenster-Optik

Das Besondere an der Geschichte in der Aachener Region: An Rhein und Maas suchten die Menschen nach einer Möglichkeit, friedlich mit einander zu leben, statt sich in Religionsstreitigkeiten unversöhnlich zu bekriegen. Die Ausstellung folgt diesem "Dritten Weg" und zeigt auf, wie die drei großen christlichen Konfessionen ihr Zusammenleben in der Euregio aushandelten. Aufgrund der überregionalen Bedeutung dieses "Dritten Weges" wurde die Ausstellung sogar als Projekt "von besonderem Bundesinteresse" eingestuft und mit Mitteln aus dem Förderprogramm "Reformationsjubiläum 2017" großzugig unterstützt. Dies trug dazu bei, die aufwändige und fantasievolle Umsetzung mit farbigen Vitrinen auf schwarzem Hintergrund und Szenografie in Kirchenfenster-Optik möglich zu machen.

Salvatore di Noia, Frank Pohle und Martin Obrikat betrachten die Bittschrift der Aachener Bürger von 1559, die sonst im Archiv der Ev. Kirche im Rheinland in Düsseldorf aufbewahrt wird.
Salvatore di Noia, Frank Pohle und Martin Obrikat betrachten die Bittschrift der Aachener Bürger von 1559, die sonst im Archiv der Ev. Kirche im Rheinland in Düsseldorf aufbewahrt wird.

Jubiläum auch heute in "ökumenischer Weite" begangen

Der Ansatz der Ausstellung treffe genau auch die Herangehensweise des Evangelischen Kirchenkreises Aachen an das Reformationsjubiläum, sagte Pfarrer Martin Obrikat bei der Ausstellungsbesichtigung. "Wir feiern bewusst kein 'Luther-Jahr', sondern wollen aufzeigen, welche spezielle Entwicklung die Reformation in unserer Region genommen hat und dass es hier oft reformatorische Aufbrüche einfacher Bürger waren, welche die Bewegung prägten", erklärte er. Außerdem sei es dem Kirchenkreis und den evangelischen Kirchengemeinden wichtig, sich nicht nur selbst zu feiern, sondern ein Reformations-Gedenken in "ökumenischer Weite" zu feiern, gemeinsam mit den katholischen Brüdern und Schwestern sowie anderen christlichen Gläubigen. "Dass wir alle Bürger dazu einladen, sich zu beteiligen, machen wir auch ganz deutlich in unserem großen Veranstaltungen wie dem Ökumenischen Kirchentag am 24. Juni hier auf dem Katschhof und beim 'Fest der Begegnung' im Brückenkopfpark Jülich am 10. September", sagte Obrikat.

(Text und Bilder: C. Braun / Kirchenkreis Aachen)

Veranstaltungsprogramm, Öffnungszeiten und Preise:

Das Centre Charlemagne ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet, montags geschlossen. Alle drei Ausstellungen sind noch bis zum 3. September zu sehen. Gäste bis 21 Jahre haben freien Eintritt. Erwachsene zahlen 6 Euro Eintritt.

Zur Ausstellung gibt es ein Rahmenprogramm, unter anderem mit Vorträgen, einem Film, einem Stadtspaziergang und einem Orgelkonzert sowie ein museumspädagogisches Programm.

Näheres zu diesem Programm sowie weitere Einzelheiten zu allen Fragen rund um die Ausstellung finden Sie beim Centre Charlemagne:

CENTRE CHARLEMAGNE – Neues Stadtmuseum Aachen
Katschhof 1, 52062 Aachen
Tel.: +49 241 432-4994; Fax: +49 241 432-4989

info@centre-charlemagne.eu
www.centre-charlemagne.eu  / www.route-charlemagne.eu

Eindrücke aus der Ausstellung:

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Losung für den 25.06.2017:
Josef tröstete seine Brüder und redete freundlich mit ihnen.
1.Mose 50,21
Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.
Römer 12,21